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Nachnutzung Bezirksgericht

Planungsprozess bis zur Einreichplanung zur Nachnutzung des 250 Jahre alten Gerichtsgebäudes im Montafon mit dem Ziel neuer Zusammenarbeit in alten Mauern.
Projektdauer Dezember 2016 bis Dezember 2019
Programm EU Leader Programm

Kurzbeschreibung

Im Zentrum von Schruns steht das große, ca. 250 Jahre alte Gerichtsgebäude, dessen ursprüngliche Nutzung mit der Abschaffung des Bezirksgerichts Montafon ab dem 01.01.2017 nicht mehr gegeben ist. Das historisch, symbolisch und regionalpolitisch äußerst bedeutungsvolle denkmalgeschützte Bauwerk soll nun einer neuen dem Standort und den Bedürfnissen des Tals und der Gemeinde Schruns angepassten Nutzung zugeführt werden. Hierfür bedarf es einem Prozess der Entscheidungsfindung sowie fundierter Planungsgrundlagen, wo sowohl die historisch wertvolle Bausubstanz sowie eine moderne und angepasste Entwicklung des Standortes Platz findet. Der Prozess wird mit den Entscheidungsträgern des Tals sowie VertreterInnen der Bevölkerung und Fachexperten durchgeführt. Es werden verschiedene Nutzungsvarianten erhoben und geprüft und eine Entscheidung zur Konkretisierung der Bestvariante getroffen. Um bestmögliche Voraussetzungen für das Bauen im Bestand zu liefern, muss bei einem historisch wertvollen Bau bei jeglicher Baumaßnahme eine Bauaufnahme bzw. -dokumentation vorgeschaltet sein. Die Einreichplanung für das Objekt soll bis Ende 2017 erfolgen. Nach dem Projekt im Jahr 2018 wird die Bauphase eingeleitet und eine schnellstmögliche Nachnutzung gewähren zu können. Das Montafon besitzt bereits Erfahrung mit regionalen Kooperationen unter den Gemeinden hinsichtlich Gebäudenutzung: ein besonders gelungenes Beispiel auch in Kooperation mit Unternehmen, stellt das "Haus Montafon" dar. Unter dem gemeinsamen Dach finden sich öffentliche Institutionen, wie beispielsweise der Krankenpflegeverein mit mobilem Hilfsdienst und Case Management, das Kinderwerkstättli sowie die Musikschule und Bibliothek Montafon.  Gemeinsam mit privaten Unternehmen machen sie das Haus Montafon zu einem Ort der Begegnung und des Miteinanders. Mit dieser positiven Erfahrung und mit dem Know-how im Gepäck möchte das Montafon mit dem Haus des bisherigen Bezirksgerichts eine weitere Einrichtung mit regionaler Strahlkraft entwickeln.

Ausgangslage

Noch im Frühjahr 2012 hieß es in den Medien: „Das Bezirksgericht im Montafon ist gerettet“, aufgrund der erfolgreichen Bemühungen auf Landesebene und dem Nein zur Schließung der Bezirksgerichte. Im September 2015 wurde dann allerdings durch die Bundesregierung bekanntgegeben, dass das Bezirksgericht Montafon zum 01. Jänner 2017 nach 240 Jahren regionaler Gerichtsbarkeit aufgelöst wird. Dies bedeutet zum einen den Verlust an regionaler Wertschöpfung und zum anderen, dass vor Ort im Montafon keine Richter mehr als Auskunftspersonen verfügbar sein und alle Agenden nach Bludenz verlagert werden. Weiters bedeutet dies, dass im Zentrum von Schruns ein denkmalgeschütztes Objekt mit 640 m² Nutzfläche (Büros, Wohnungen, Kantine, Verhandlungsräume, Schreibzimmer, WC-Anlagen etc.) und ca. 220 m² noch nicht ausgebautem Dachgeschoss von 2017 an leer stehen wird. Nach intensivem Ringen der Montafoner Bürger um eine eigene Gerichtsbarkeit, war das damalige Bezirksgericht um 1775 durch eine kaiserliche Entschließung im „Marentischen Gasthaus“ eingerichtet worden und hat eine lebhafte Geschichte hinter sich. Das Gebäude befindet sich seit 1810 durch eine Schenkung im Besitz der Montafoner Gemeinden bzw. des Standes Montafon und hat einen hohen symbolischen Stellenwert für die Talschaft. Um diesem Wert gerecht zu werden und um Tradition mit aktuellen Anforderungen von Standort-, Ortskern und Regionalentwicklung zu verknüpfen, soll nun ein Planungsprozess zur Nachnutzung des Gebäudes durchgeführt werden. Die Entscheidungsträger des Tals sind sich einig, dass bei einem so bedeutungsvollen Gebäude – das zudem von erheblicher Dimension ist – kein Leerstand zugelassen werden darf und die Nutzungskontinuität gewährleistet werden muss.

Ziele/Wirkung

Es gibt bereits Ideen zur Nachnutzung, die von einer möglichen touristischen Nutzung über Co-Working-Spaces bis hin zur Unterbringung von (Bau)Verwaltungen, JungunternehmerInnen, des Museumsdepots, von Veranstaltungsräumen, Restaurants und Begegnungsräumen reichen. Um allerdings zur bestmöglichen Lösung für das Montafon zu gelangen, bedarf es eines sorgfältig durchgeführten Planungsprozesses, der sowohl auf die spezifischen Gegebenheiten (Denkmalschutz, hist. Bedeutung, Lage und Erschließung etc.) als auch auf die aktuellen Anforderungen an eine Zentrumsentwicklung in Schruns eingeht. Es soll eine nachhaltige Revitalisierung des Gebäudes stattfinden, die die regionale Bedeutung der Einrichtung und den Nutzen für die Talbevölkerung widerspiegelt und unterstreicht. Ziel ist es zudem, einen Leerstand im Zentrum von Schruns zu vermeiden und durch die frühzeitige Planung eine Nutzungskontinuität im Ortskern herzustellen. Das neue Nutzungskonzept sowie die dazugehörigen Planungsgrundlagen sollen in der ersten Jahreshälfte des Jahres 2017 fertiggestellt werden, um nach Auszug des Bezirksgerichts mit der Umsetzung beginnen zu können.

Durch die zentrale Lage des Objekts und den großen symbolischen Wert für das ganze Tal muss die angestrebte Umnutzung auch eine regionale, talweite Tragfähigkeit und Strahlkraft haben, die der historischen Kontinuität Rechnung trägt: ein Haus mit Geschichte und Leuchtkraft für das ganze Montafon, das einen möglichst hohen Nutzen für die ganze Bevölkerung stiftet.

Inhalte

  • Ideensammlung, -eingrenzung/-konkretisierung im Rahmen von 2 Workshops und 6 Arbeitsgruppensitzungen mit Entscheidungsträgern, Fachleuten und VertreterInnen aus der Montafoner Bevölkerung
  • Erstellung von 1-3 Nachnutzungs-Varianten im Rahmen eines begleiteten Prozesses
  • Variantenstudium/Kosten-Nutzen-Prüfung und Auswahl einer Nachnutzungsvariante
  • Bauaufnahme: historische Bau- und Bestandsaufnahme des Objektes als Planungsgrundlage des denkmalgeschützten Objekts
  • Konkretisierung der Bestvariante: Definition Nutzungsprofil, Raumkonzept etc.
  • Die architektonische Sanierungs-Planung liegt vor und ist bei der Baubehörde eingereicht

Resultate

Es wurde von und mit den Entscheidungsträgern sowie mit VertreterInnen aus der Montafoner  Bevölkerung bzw. der Gemeinden eine Nachnutzungsvariante für das Bezirksgerichtsgebäude gefunden, die einerseits der Ortskernentwicklung dienlich ist aber auch starke regionale Strahlkraft besitzt. Es ist eine Kosten-Nutzen-Prüfung durchgeführt sowie ein schriftliches Nutzungskonzept entstanden. Die Ergebnisse einer historischen Bau- und Bestandsaufnahme des Gebäudes liegen vor und sind als Grundlage in die architektonische Sanierungs-Planung eingeflossen. Das Projekt ist bei der Baubehörde eingereicht.

Das LEADER-Projekt Werkzeugkoffer Maisäßsanierung wird unterstützt durch Bund, Land und Europäische Union.