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  • Maisäß-Ensemble Oberer Netza, St. Gallenkirch (Foto: Valentina Bolter) Maisäß-Ensemble Oberer Netza, St. Gallenkirch (Foto: Valentina Bolter)
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Maisäß-Ensemble Oberer Netza, St. Gallenkirch

Der Maisäß Oberer Netza liegt oberhalb von Gortipohl auf einer Höhe von 1635 m Seehöhe und ist fast nur zu Fuß erreichbar (Fahrweg bis zum Unteren Netza auf 1285 m, Materialseilbahn seit 1998).

Im Jahre 1487 erstmalig als Maisäß erwähnt sind bis heute einige Bauwerke im Kern aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert erhalten. Der Hauptteil der Bauwerke stammt aus dem 18. bis 19. Jahrhundert, einige auch aus dem 20. oder 21. Jahrhundert. Es handelt sich einerseits um Paarhofanlagen, sprich um getrennt stehende Wohnhäuser und Stallscheunen oder um hintereinander angeordnete Wohnstallgebäude teils mit abgestuftem First. Bis in die 1970er Jahre wurde der Maisäß ausschließlich als solcher genutzt; danach gab es eine Pause bis „der Betrieb“ in den 1990er Jahren wiederaufgenommen wurde.

Mehrere Faktoren begünstigen den Oberen Netza: Die Südausrichtung befreit die Weiden trotz der Höhe früh vom Schnee. Lawinen, Muren und andere Naturgewalten beschränken sich zumeist auf die den Maisäß begrenzenden Tobel oder tiefer liegende Gebiete.

Für den hervorragenden und originalgetreuen Erhaltungszustand sind aber nicht zuletzt die Eigentümer und ihr Bemühen um den Maisäß verantwortlich. Ihr Einsatz und eine funktionierende Maisäßsatzung ermöglichen ein gutes Nebeneinander von landwirtschaftlicher und zeitgemäßer Freizeit-Nutzung. Ein wichtiges Beispiel, dass bei sorgfältiger Pflege des kulturhistorischen Bestandes die alternative Nutzung ein wichtiger Baustein für den zukünftigen Erhalt unserer Kulturlandschaft sein kann. Der Maisäß Oberer Netza ist sicherlich einer der ursprünglichsten und am wenigsten überformten Maisäße des Montafons. Er bildet eine bestechende Einheit aus Naturraum und im Laufe der Jahrhunderte gewachsener Architektur. Besonders ins Auge stechen die schönen Holzschindeldächer, die alle giebelseitig ausgerichtet sind und der fast dörfliche Charakter; Jägerzäune um die Häuser und PV-Anlagen werden hoffentlich die Ausnahme bleiben. Der Maisäß dokumentiert in außergewöhnlicher Weise die mittlere Stufe der traditionellen Berglandwirtschaft.

Ein großer Dank und Anerkennung an die Eigentümergemeinschaft.

Jury:
Barbara Keiler, Bundesdenkmalamt – Abteilung für Vorarlberg
Clemens Quirin, vai Vorarlberger Architektur Institut
Thomas Mennel, Architekt
Raimund Rhomberg, Bauforscher

Jurykommentar: Barbara Keiler

Plakat "Oberer Netza" zum Download