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Kulturlandschaftsinventar Montafon (KLIM)

KLIM dokumentiert im gesamten Montafon die Kulturlandschaft, die sich durch die traditionelle Dreistufenlandwirtschaft herausgebildet hat.
Projektdauer März 2008 - Dezember 2010
Programm EU-Leader Programm

AUSGANGSLAGE

Das Montafon im Süden Vorarlbergs ist bekannt für seine alpine, durch die Dreistufenlandwirtschaft geprägte  Kulturlandschaft. Spätestens seit dem Mittelalter - vermutlich jedoch schon viel früher - wurde diese "halbnomadische" Bewirtschaftungsform hier ausgeübt, bei welcher Teile der Familie oder Personal im Jahreslauf unter Berücksichtigung des Vegetationszustandes mit ihrem Vieh Weideplätze in verschiedenen Höhenlagen aufsuchten. Im Frühjahr zog man vom Heimgut im Tal auf den Maisäß auf ca. 1200 bis 1600 m und Anfang Sommer übergab man das Vieh den Hirten, die bis zum Ende des Alpsommers ca. 70 - 90 Tage lang das Vieh in den Höhenlagen weiden ließen. Dadurch ist eine einmalige Kulturlandschaft entstanden, die durch den Strukturwandel und die damit einhergehenden Änderungen der Gesellschaft sowie der Arbeits- und Wirtschaftsmethoden in ihrem Bestand gefährdet ist. Durch heutige Lebensweisen und Bewirtschaftungsformen verändert sich die Landschaft und viele über Jahrhunderte entstandene Landschaftselemente verschwinden aus dem Erscheinungsbild des Montafons oder sind bereits verschwunden.

Der Verfall von historischer Baukultur, der massive Rückgang von traditionellen Bewirtschaftungsmethoden und der Verlust alter Kulturtechniken, die sich wandelnden Natur- und Lebensräume und der damit einhergehende Biodiversitätsverlust bilden somit die Hauptmotivation, sich mit der noch bestehenden Kulturlandschaft auseinanderzusetzen.

 

Heuen dazumals auf dem Maisäß Ganeu in Gaschurn

(Foto: W. Pfefferkorn)

Besonders deutlich zu spüren ist der Wandel in Gegenden, die durch eine starke Freizeit- und Tourismusnutzung geprägt werden, was im Montafon vor allem die Maisäßgebiete betrifft. Bisher gab es keine einheitlichen Informationen über Nutzungen oder baulichen Zustand der Gebäude und für die Erarbeitung einheitlicher raumplanerischer oder touristischer Richtlinien fehlte die Datengrundlage, die für eine nachhaltige Regionalentwicklung entscheidend ist.

Auch die Daten zu den noch berglandwirtschaftlich genutzten Gebieten waren bisher nur vereinzelt vorhanden. Der Stand Montafon hat es sich aus diesen Gründen mit dem Kulturlandschaftsinventar Montafon (KLIM) zur Aufgabe gemacht, altes und neues Wissen um das vielfältige kulturelle Erbe der Dreistufenlandwirtschaft zu vereinen und so als  Planungs- und Steuerungselement für die Region und die Gemeinden dienen zu können.

KLIM wurde als LEADER-Projekt mit der finanziellen Unterstützung der EU und des Landes Vorarlberg durchgeführt. Die Ausdehnung des im Rahmen des Projekts untersuchten Gebiets ist außerdem im online-Kartendienst des Vorarlberg Atlas unter "Bildung und Kultur" einsehbar.

WAS BEINHALTET KLIM?

KLIM erfasst in allen zehn Montafoner Gemeinden die Kultur-landschaft außerhalb des Dauersiedlungsraumes. Dies entspricht den Alp- und Maisäßgebieten sowie den ehemaligen Dauersiedlungs- und Bergmahdgebieten – Bergwiesen in steilen Höhenlagen, die aus der traditionellen Dreistufenlandwirtschaft hervorgingen und die heute im Montafon in ihrer ursprünglichen Form fast vollständig verschwunden sind.

Innerhalb der definierten Gebiete ("Funktionseinheiten" genannt) wurden Gebäude bzw. vom Menschen errichteten Objekte (z. B. Trockensteinmauern, Bildstöcke, Zäune etc.) von Aufnahmeteams erhoben. Die Ergebnisse wurden mit Hilfe von Datenbanken und Geographischen Informationssystemen dokumentiert, inventarisiert, ausgewertet und aufbereitet.

Die Erhebungen innerhalb des Projekts machen den Kulturland-schaftswandel deutlich sichtbar, da KLIM aktuelle Fotos, digitale Programme und die im Gelände aufgezeichneten Erhebungen mit historischen Zeugnissen, Urkunden, Bildmaterialien, Karten und Zeitzeugenaussagen vereint. Österreichweit ist dies einzigartig und somit besitzt das Projekt eine wichtige Vorbildfunktion.

Die aufgenommenen Daten erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Trotzdem versammelt sich hier eine große Fülle von Informationen über die aktuelle und die vergangene Situation der Montafoner Kulturlandschaft und von über die Jahre fast verloren gegangenem Wissen. Durch KLIM wurde außerdem auch der Bestand der vorhandenen historischen Quellen aufgearbeitet und ersichtlich gemacht.

ZIEL

Ziel ist die Dokumentation der durch die für das Montafon typische Dreistufenlandwirtschaft entstandenen Landschaftsformen als Grundlage für zukünftige regional- und raumplanerische Maßnahmen in der Region. Die gewonnenen Daten bilden ein hilfreiches Planungs- und Steuerungselement für alle Beteiligten, die an der Gestaltung und Nutzung der Kulturlandschaft beiteiligt sind. Insbesondere gilt dies für die  Land- und Forstwirtschaft, die Regional- und Raumplanung, den Tourismus und die Standortentwicklung sowie für die Bevölkerung. Als Grundlage für zukünftige Maßnahmen und Entwicklungen soll KLIM v. a. von den Gemeinden im Tal genutzt werden.

Neben der Dokumentation stehen als gleichwertiges Ziel die Bewusstseinsbildung und die Sensibilisierung für alpine Kulturlandschaft und Kulturgüter an oberster Stelle. Die Inventarisierung der Funktionseinheiten ist ein bedeutender Schritt für eine regionalspezifische Landschaftsentwicklung und die Bewahrung des kulturellen Erbes des Montafon.

UMSETZUNG UND ERGEBNISSE

Die Vorarbeiten und Erhebungen fanden zwischen 2008 und 2010 im gesamten Montafon statt. In Kleinteams bestehend aus zwei bis vier Leuten wurden die vorher definierten Gebiete besucht. Vor allem Gebäude aber auch Landschaftselemente wie Trockensteinmauern und Zäune wurden fotografiert und mittels Erhebungsbögen erfasst. Dies ergab zum Abschluss des Projekts einen Gesamtumfang von 319 Funktionseinheiten. Davon 72 Alpen, 138 Maisäße, 96 Bergmahdgebiete und 12 ehemalige Dauersiedlungen. Des Weiteren konnten innerhalb der Funktionseinheiten 2585 bestehende und 1916 nicht mehr bestehende Gebäude erfasst werden. Die Anzahl der aufgenommenen Fotos beträgt circa 26.600 Bilder.

Auch bereits vorhandene Informationen wurden zusammengetragen und ausgewertet. Diese fanden sich in der Kulturgüterdatenbank Montafon, in der Montafoner Schriftenreihe, im Maisäßinventar Montafon, im Alpkataster und im Franziszeischen Kataster von 1857, in Grundstücksprotokollen, in Publikationen, in Dokumenten und Sammlungen aus dem Montafon Archiv oder auch in privaten Fotosammlungen. Auch Gewährspersonen spielten bei der Erhebung eine wichtige Rolle, da mit ihrer Hilfe Angaben bestätigt oder auch verbessert werden konnten.

Das Ergebnis der zusammengetragenen Daten findet sich in zwei Datenbanken:

1)      MS-Access-Datenbank – diese enthält quantitative Daten zu Lage, Beschaffenheit, Nutzung, Bauweise oder Zustand der Alp- und Maisäßgebäude.

2)      M-BOX – Museumsinventarisierungsdatenbank – hier finden sich die qualitativen Daten wie Berichte, Dokumente, Fotos, Kartenmaterial und Aussagen von ZeitzeugInnen wieder.

Darüber hinaus sind natürlich alle Funktionseinheiten und erhobenen Gebiete sowie alle erfassten bestehenden und nicht mehr bestehenden Gebäude über Geographische Informationssysteme abrufbar.

ZUKÜNFTIGE AUFGABEN

KLIM bildet eine wichtige Informationsgrundlage für verschiedene Institutionen und Einrichtungen. Die Daten werden beispielsweise für den Kulturlandschaftsfonds Montafon genauso genutzt wie für Publikationen der Montafoner Museen. Die wichtigste Nutzergruppe bilden jedoch die Gemeinden des Montafons. V. a. die KLIM-Daten zu den Maisäßgebieten stellen für diese einen großen Wert dar, da hier hinsichtich der raumplanerischen Entwicklung eine große Dynamik vorherrscht. Mit Hilfe von KLIM liegen erstmals fundierte und flächendeckende Daten vor, die für die Raumplanung der Gemeinden eine wichtige Arbeitsgrundlage darstellen.

Auch die Landesbehörden arbeiten mit den KLIM-Daten bzw. diese stellten unter anderem eine Grundlage für die Raumplanungsnovelle zur Ferienwohnungsnutzung im Jahr 2015 dar.

 

 WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN:

 

       (Bildung und Kultur/Kulturlandschaft)

        (Medieninfo)

 

 

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