Sie sind hier: Startseite / Kultur & Wissenschaft / Veranstaltungen / Tagungen / VERSCHOBEN auf 2021: 5. Montafoner Gipfeltreffen
  • Piz Buin, Gipfelkreuz, um 1940 Piz Buin, Gipfelkreuz, um 1940

VERSCHOBEN auf 2021: 5. Montafoner Gipfeltreffen

Internationale Wissenschaftler tagen im Montafon: "Religion in den Bergen"; neuer Termin 19.-23. Oktober 2021. Kurzprogramm an zwei Abenden findet dennoch statt - mit Anmeldung.
Was
Montafoner Gipfeltreffen
Gipfeltreffen
5. Montafoner Gipfeltreffen
Wann
19.10.2021 um 18:00 bis 23.10.2021 um 19:00 (Europe/Vienna / UTC200)
Wo
Pfarrsaal Schruns
Termin zum Kalender hinzufügen
iCal

------------------------------------------------

Kurzprogramm 2020:


20. Oktober 2020

18:15 Uhr: Buchpräsentation "Wirtschaften in den Bergen" (Tagungsband 4. Montafoner Gipfeltreffen)
Robert Rollinger Universität Innsbruck, Andreas Rudigier vorarlberg museum

19 Uhr: Vortrag "Berge am Balkan. Réduit der Nation oder offener Raum von Migration und Kommunikation"
Oliver Jens Schmitt Österreichische Akademie der Wissenschaften

19:30 Uhr: Vortrag "Von ganz alltäglichen Wundern. Alpine Mirakelbücher im 18. Jh.am Beispiel des Montafons und Ötztals"
Edith Hessenberger Ötztaler Museen

Anmeldung (Link zum Anmeldesystem)


22. Oktober 2020

20 Uhr: Montafoner Montaggespräch: Jasmine Ölz (ORF Vorarlberg) im Gespräch mit Andreas Rudigier (vorarlberg museum)

Anmeldung (Link zum Anmeldesystem)

----------------------------------------------------

"Religion in den Bergen"

NEUER Termin: 19. bis 23. Oktober 2021, Schruns - Sternensaal

Zum bereits fünften Mal findet die hochkarätige internationale Tagung "Montafoner Gipfeltreffen" im Montafon statt. Zahlreiche international renommierte Experten beschäftigen sich mit dem Thema "Religion in den Bergen", tauschen sich aus und schaffen nachhaltige Grundlagen - die Ergebnisse sollen als Publikation veröffentlicht werden.  

Berge und Religion – in einer Region wie dem Montafon im Land Vorarlberg muss man diesen Zusammenhang sicher weniger erklären als etwa in Großstädten ohne Gebirgsbezug wie Berlin oder Amsterdam, wo tägliche Normalität und Leben in und mit den Bergen zwei völlig unterschiedlichen Erfahrungswelten (Alltag und Urlaub/Ausflug) angehören.

Dem Mitteleuropäer fremd dürfte die Vorstellung sein, dass Gebirge/Berge selbst als ‚heilig‘ gelten können, als Gottheiten oder, häufiger noch, als Wohnsitze von Göttern, Dämonen oder Geistwesen. Schicksalhafte Macht zugesprochen wurde oder wird dabei etwa Vulkanen (nicht nur wegen der Gefahr, die von ihnen ausgeht, sondern auch wegen der Fruchtbarkeit der Vulkanasche), Bergen, die wichtige Ressourcen wie Wasser oder Bodenschätze bergen oder gute Jagdgebiete darstellen sowie exponierten Wetterbergen oder Landmarken. Hinweise auf den Parnass als Musen- und den Olymp als Götterberg in Griechenland sowie auf den Fudschijama, einen Vulkan, an dessen Fuß und Hängen mehr als 1300 Schreine zu seiner Verehrung errichtet wurden, mögen hier genügen. Aus den verschiedensten Teilen der Welt sind explizite Berggötter bekannt, so etwa aus Europa Varianten des griechischen Zeus (etwa Zeus Kasios), aus den antiken Großreichen von Assur, Urartu und Hatti im Nahen Osten und nicht zuletzt auch aus China und Korea. Erwähnt werden sollte vielleicht aber auch, dass Berge auch als Wohnorte von Toten oder als magische oder verfluchte, von Dämonen bewohnte oder als Tanzplatz von Hexen imaginierte Orte (Brocken im Harz) gedacht werden konnten oder können. Im Übrigen behalten Heilige Berge ihren Status oft über sehr lange Zeiträume und verlieren ihn auch nicht, wenn Menschen einen religiösen oder kulturellen Wechsel vollziehen.

Gebirge und religiöse Performanz: Berge/Gebirge erfahren aber auch deshalb Verehrung, weil sie mit einem bestimmten Ereignis, etwa einer göttlichen Offenbarung bzw. Verlautbarung oder einer herausragenden religiösen Tat, verbunden werden. Dies ist etwa der Fall bei der Gottesoffenbarung am Berg Sinai oder der sog. Bergpredigt Jesu, die seine Botschaft vom Reich Gottes in prägnanter Form zusammenfasst. Auch am Tagungsort sind Gebirge und religiöse Performanz bis heute aufeinander bezogen: in Marterln und Kapellen auf lichten Höhen, in Pilgerfahrten oder Gottesdiensten auf Bergkämmen, in Votivgaben nach der glücklichen Bezwingung von Gipfeln, der Überquerung von Grenzen und Pässen, dem Überleben nach Bergstürzen, Lawinenabgängen und Dammbrüchen. Der Performanzaspekt hat auch, wie man sich leicht denken kann, eine universale und historische Dimension, denken wir etwa an die hellenistischen Gipfelheiligtümer der Kommagene in der heutigen Türkei, die entdeckten Votivgaben aus römischer Zeit vom Gr. St. Bernhard oder die Heiligtümer der Jesiden im Dschabal Sindschar, der erst vor einigen Jahren beim Überfall der IS-Verbände vielen von ihnen zur tödlichen Falle, anderen zur Rettungsinsel wurde.

Häufig wurden und werden heilige Berge auch markiert oder durch rituelle Zeichen, Gegenstände oder Gebäude gekennzeichnet. Jeder kennt die Gipfelkreuze, die bereits Ende des 13. Jh. vereinzelt auf Pässen und Anhöhen errichtet wurden, dann in Europa im Laufe der Jahrhunderte an Zahl immer mehr zunahmen sowie mit immer stärkerer Symbolik aufgeladen wurden und inzwischen in bestimmten Kreisen gar zu einem Politikum geworden sind. Bekannt sein dürften auch die Klausen der christlichen Eremiten und muslimischen Sufis, die aus Weltabgewandtheit und Gottesnähe religiöses Prestige schöpften.

Gebirge spielen auch eine wichtige Rolle in Mythen, Legenden und Märchen, denen allen eine religiöse oder quasi-religiöse Dimension eigen ist: Dies gilt für eine Figur wie den launischen Berggeist Rübezahl, der als Belohner und Bestrafer der Menschen im Riesengebirge auftritt; dies gilt weiterhin für den epischen Helden Gilgamesch, der mit seinem Freunde Enkidu im Libanongebirge in den Wald heiliger Zedern eindringt, den Wächter Humbaba tötet und damit den Zorn der Göttin Ischtar erregt. Dies gilt für den Berg Qaf der iranisch-mythischen Tradition, jenseits dessen das unendliche Nichts beginnt, für den Musa Dagh, dessen armenischen Verteidigern im Rahmen des Völkermords an den Armeniern Franz Werfel in seinem Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Dies gilt schließlich auch für die Helden des nicht unproblematischen Kriegsfilms „Berge in Flammen“ von Louis Trenker aus dem Jahre 1931. Schließlich sei auch erinnert an die zahllosen Wundererzählungen, die ihren Sitz im Leben im Gebirge besitzen, wie etwa die von der Versuchung Jesu am sog. Berg der Versuchung in der Nähe der Stadt Jericho im Westjordanland.

Das 5. Montafoner Gipfeltreffen spricht mit seinem Generalthema „Religion in den Bergen“ damit ein Thema an, das nicht nur höchst unterschiedliche Aspekte aufweist, sondern das auch weit über Vorarlberg und den Alpenraum, ja Europa hinausweist und zugleich höchst aktuell ist. Wie in den vergangenen Jahren wird es wieder Gelehrte unterschiedlichster Disziplinen und Interessen und eine interessierte Montafoner Öffentlichkeit zusammenführen und auf hohem wissenschaftlichem Niveau, zugleich aber auch auf verständliche Art und Weise Gegenstände behandeln, die mit der Landschaft und den Menschen des Montafons und Vorarlbergs eng verbunden sind.

Die Tagung ist öffentlich zugänglich. Eintritt frei

Tagungsort: Pfarrsaal (Sternensaal) Schruns, Jakob-Stemer-Weg 10

Registrierung: Das Registrierungsbüro befindet sich am Veranstaltungsort.
Ansonsten erhalten Sie im Montafoner Heimatmuseum, Kirchplatz 15, weitere Auskünte.

Kontakt: Michael Kasper, Sandra Kraft

info@montafoner-museen.at

 

Tagungsorganisation:

Michael Kasper, Montafoner Museen, Schruns
Robert Rollinger, Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik, Universität Innsbruck
Andreas Rudigier, vorarlberg museum, Bregenz
Josef Wiesehöfer, Institut für Klassische Altertumskunde, Universität Kiel

 

Veranstalter/Institutionen:

Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik, Universität Innsbruck
Montafoner Museen
Österreichische Akademie der Wissenschaften
vorarlberg museum

 

Vorläufiges Programm:

Di, 19.10.

18-20 Uhr Eröffnung
Grußworte

Mi, 20.10.

9:00–9:45 Sabine Ladstätter (ÖAW, Wien): „Waren die Berge heilig? Überlegungen zu alpinen Kultkontinuitäten“
9:45–10:30 Simone Paganini (Aachen): „Einmal heilig, immer heilig. Der Berg Zion in Jerusalem von der neolithischen Zeit bis in die Spätantike

11:00–11:45 Oliver Jens Schmitt (ÖAW, Wien): Berge am Balkan: Réduit der Nation oder offener Raum von Migration und Kommunikation?“
11:45–12:30 Herbert Niehr (Universität Tübingen): „Ḫazzi - Ṣapūnu - Kasion. Einblicke in die Kultgeschichte des heiligen Berges Nordsyriens“

14:30–15:15 Prochazka Stephan (Universität Wien): „Berge in der islamischen Kosmologie“
15:15–16:00 Daniel Thomas Potts (New York University): „Kurangun, das elamische Fels-Relief (erste Hälfte des 2. Jt. v. Chr.)“

16:30–17:15 Sonja John (Berlin): „The Ethiopian Orthodox Church as Caretaker - Qusquam Mariam Church
17:15–18:00 Friedrich Pöhl (Innsbruck): „Die mythisch-religiöse Relevanz der Black Hills für das kulturelle Bewusstsein der Lakota Sioux“
18:00–18:45 Bert Fragner (ÖAW, Wien): „Von bösen Ketzern in Bergen und Schluchten: Die Polemik eines mittelalterlichen islamischen Staatsmannes gegen Häretiker“

Do, 21.10.

9:00–9:45 Christoph Michels (Universität Münster): „Von Pontos nach Kommagene. Dynastische Bergheiligtümer und iranisches Erbe“
9:45–10:30 Maria Six-Hohenbalken (ÖAW, Wien): „Der Faktor der Mobilität im Yezidismus. Zwischen traditioneller Transhumance in Gebirgsregionen zu rezenten (erzwungen) transnationalen Mobilitäten“

11:00–11:45 Klaus-Dieter Mathes (Universität Wien): „Taming the “Mistress of Hundred Power Places” (gNas brgya ma) – Religious Visions of Mount Nägyama in Nangchen (Tibet)“
11:45–12:30 Orell Witthuhn (Universität Göttingen): „Der Amun vom Heiligen Berg“

14:30–15:15 Tilman Frasch (University of Manchester): „Dhammapabbata. Berge und religioese Praxis im Theravada-Buddhismus“
15:15–16:00 Irmela Hijiya-Kirschnereit (Freie Universität, Berlin): „Geräusch und Leere – Bergerfahrungen im Spiegel der japanischen Literatur“

16:30–17:15 Edith Hessenberger (Ötztaler Museen, Längenfeld): „Von ganz alltäglichen Wundern. Alpine Mirakelbücher im 18. Jhd.am Beispiel des Montafons und Ötztals“
17:15–18:00 Andreas Rudigier (vorarlberg museum, Bregenz): „Votivbilder zwischen Salzburg und Vorarlberg“

Fr, 22.10.

9:00–9:45 Hilmar Klinkott (Universität Kiel): „Anahita, Artaxerxes und der achaimenidische Gipfelkult - Überlegungen zu einer Kultreform des Artaxerxes II.“
9:45–10:30 Sebastian Fink (Universität Innsbruck): „Lugalbanda - der erste Bergheilige der Geschichte?“

11:00–11:45 Miroslavo Salvini (Rom): „Berge und Götter in Urartu (IX.-VII: Jh v. Chr.)“
11:45–12:30 Doris Kurella (Linden-Museum, Stuttgart): „Schamanismus bei den Mapuche, der größten indianischen Gruppe Chiles“

14:30–15:15 Manfred Tschaikner (Vorarlberger Landesarchiv, Bregenz): „Schamanismus im Bodenseeraum in der frühen Neuzeit“
15:15–16:00 Michael Kasper (Montafoner Museen, Schruns): „Franz Joseph Battlogg – Frühmesser, Kirchenmusiker und Alpinist

16:30–17:15
17:15–18:00 Peter Funke (Universität Münster): "Die Zukunft in den Bergen erfragen. Die griechischen Orakelstätten im 'felsigen' Delphi und im 'winterlich rauhen' Dodona"
18:00–18:45 Hubert Steiner (Amt für Bodendenkmäler, Bozen): „Brandopferplätze im Hochgebirge“

Sa, 23.10.

9:00–9:45 Alois Niederstätter (Dornbirn): „Die pfarrliche Erschließung der Gebirge“
9:45–10:30 Martina Sochin (Universität Zürich): „Totgeborene Kinder im Alpenraum“

11:00–11:45 Matthias Moosbrugger (Universität Innsbruck): „Radikale Reformation im Bregenzerwald“
11:45–12:30 Florian Hitz (Institut für Kulturforschung Graubünden, Chur): „Ein Vorarlberger Priester als Reformator im Prättigau“

14:30–15:15 Julian Degen (Universität Kiel): Religion im Schatten des Olymps. Berge als sakrale Orte im argeadischen Makedonien
15:15–16:00 Kai Ruffing (Universität Kassel): „Iuppiter Poeninus. Göttliche Hilfe und die Nutzung des Großen St. Bernhards in der römischen Kaiserzeit“

16:30–17:15 Stefan Hauser (Universität Konstanz): „Performanz und Präsenz. Felsreliefs und Bergheiligtümer der Arsakidenzeit“
17:15–18:00 Harald Kofler (Sterzing): Die Täuferbewegung in den Bergbaurevieren des südlichen Wipptals“

18:00-18:45 Jon Mathieu: "19 Gipfelkreuze für "1900 Jahre Jesus Christus": Der italienische Katholizismus auf dem Weg in die Berge"

 

Anreise Bahn/Bus:

ÖBB - Österreichische Bundesbahnen
Auskunft über alle europäischen Zugverbindungen und Fahrplan, inklusive Umsteigemöglichkeiten sowie Preisinfos für innerösterreichische Bahnfahrten finden Sie unter www.oebb.at.

MBS - Montafonerbahn Bludenz - Schruns
Bahnhof Bludenz - Montafonerbahn von Bludenz nach Schruns (ca. 20 min.), Frequenz ca. alle 30 min. (zu den Hauptzeiten). Informationen zu den Fahrzeiten und Fahrplan, Verbindungen und Dienstleistungen erhalten Sie unter www.montafonerbahn.at

Anreise PKW:

Aus Deutschland (D)
Pfändertunnel - Rheintalautobahn A14 - Ambergtunnel - Abfahrt Bludenz/Montafon - L 188 Montafoner Straße (Silvrettastraße).

Aus der Schweiz (CH)
Über Chur - Autobahn von Zürich/Chur - Abfahrt Gams – Fürstentum Liechtenstein (FL) - Feldkirch/Tisis - durch Feldkirch in Richtung Bludenz/Innsbruck - Walgau- autobahn A14 - Abfahrt Bludenz / Montafon - L 188 Montafoner Straße (Silvrettastraße).
Über St. Gallen- Autobahn von Zürich/St. Gallen - Ausfahrt Oberriet-Meiningen - Autobahn A 14 in Richtung Bludenz ab Auffahrt Rankweil - Ambergtunnel A14 - Abfahrt Bludenz/Montafon - L 188 Montafoner Straße (Silvrettastraße).

Aus Österreich (A)
Über den Arlberg - S 16 Arlbergschnellstraße in Richtung Bludenz - Abfahrt Bludenz/Montafon - L 188 Montafoner Straße (Silvrettastraße).

 

Unsere Förderer:

Instagram

Youtube