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5. Montafoner Gipfeltreffen

Internationale Wissenschaftler tagen im Montafon: "Religion in den Bergen"; 20. (abends) bis 24. Oktober 2020. Alle Vorträge sind kostenfrei öffentlich zugänglich.
Datum 20.10.2020
Beginn 18:00
Ort Pfarrsaal Schruns
Adresse Jakob-Stemer-Weg 10, 6780 Schruns
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Kategorie
  • Montafoner Gipfeltreffen
  • Gipfeltreffen
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Titel: "Religion in den Bergen"
Termin: 20. bis 24. Oktober 2020, Schruns

Zum vierten Mal findet die hochkarätige internationale Tagung "Montafoner Gipfeltreffen" im Montafon statt. Zahlreiche international renommierte Experten beschäftigen sich mit dem Thema "Religion in den Bergen", tauschen sich aus und schaffen nachhaltige Grundlagen - die Ergebnisse sollen als Publikation veröffentlicht werden.  

Berge und Religion – in einer Region wie dem Montafon im Land Vorarlberg muss man diesen Zusammenhang sicher weniger erklären als etwa in Großstädten ohne Gebirgsbezug wie Berlin oder Amsterdam, wo tägliche Normalität und Leben in und mit den Bergen zwei völlig unterschiedlichen Erfahrungswelten (Alltag und Urlaub/Ausflug) angehören.

Dem Mitteleuropäer fremd dürfte die Vorstellung sein, dass Gebirge/Berge selbst als ‚heilig‘ gelten können, als Gottheiten oder, häufiger noch, als Wohnsitze von Göttern, Dämonen oder Geistwesen. Schicksalhafte Macht zugesprochen wurde oder wird dabei etwa Vulkanen (nicht nur wegen der Gefahr, die von ihnen ausgeht, sondern auch wegen der Fruchtbarkeit der Vulkanasche), Bergen, die wichtige Ressourcen wie Wasser oder Bodenschätze bergen oder gute Jagdgebiete darstellen sowie exponierten Wetterbergen oder Landmarken. Hinweise auf den Parnass als Musen- und den Olymp als Götterberg in Griechenland sowie auf den Fudschijama, einen Vulkan, an dessen Fuß und Hängen mehr als 1300 Schreine zu seiner Verehrung errichtet wurden, mögen hier genügen. Aus den verschiedensten Teilen der Welt sind explizite Berggötter bekannt, so etwa aus Europa Varianten des griechischen Zeus (etwa Zeus Kasios), aus den antiken Großreichen von Assur, Urartu und Hatti im Nahen Osten und nicht zuletzt auch aus China und Korea. Erwähnt werden sollte vielleicht aber auch, dass Berge auch als Wohnorte von Toten oder als magische oder verfluchte, von Dämonen bewohnte oder als Tanzplatz von Hexen imaginierte Orte (Brocken im Harz) gedacht werden konnten oder können. Im Übrigen behalten Heilige Berge ihren Status oft über sehr lange Zeiträume und verlieren ihn auch nicht, wenn Menschen einen religiösen oder kulturellen Wechsel vollziehen.

Gebirge und religiöse Performanz: Berge/Gebirge erfahren aber auch deshalb Verehrung, weil sie mit einem bestimmten Ereignis, etwa einer göttlichen Offenbarung bzw. Verlautbarung oder einer herausragenden religiösen Tat, verbunden werden. Dies ist etwa der Fall bei der Gottesoffenbarung am Berg Sinai oder der sog. Bergpredigt Jesu, die seine Botschaft vom Reich Gottes in prägnanter Form zusammenfasst. Auch am Tagungsort sind Gebirge und religiöse Performanz bis heute aufeinander bezogen: in Marterln und Kapellen auf lichten Höhen, in Pilgerfahrten oder Gottesdiensten auf Bergkämmen, in Votivgaben nach der glücklichen Bezwingung von Gipfeln, der Überquerung von Grenzen und Pässen, dem Überleben nach Bergstürzen, Lawinenabgängen und Dammbrüchen. Der Performanzaspekt hat auch, wie man sich leicht denken kann, eine universale und historische Dimension, denken wir etwa an die hellenistischen Gipfelheiligtümer der Kommagene in der heutigen Türkei, die entdeckten Votivgaben aus römischer Zeit vom Gr. St. Bernhard oder die Heiligtümer der Jesiden im Dschabal Sindschar, der erst vor einigen Jahren beim Überfall der IS-Verbände vielen von ihnen zur tödlichen Falle, anderen zur Rettungsinsel wurde.

Häufig wurden und werden heilige Berge auch markiert oder durch rituelle Zeichen, Gegenstände oder Gebäude gekennzeichnet. Jeder kennt die Gipfelkreuze, die bereits Ende des 13. Jh. vereinzelt auf Pässen und Anhöhen errichtet wurden, dann in Europa im Laufe der Jahrhunderte an Zahl immer mehr zunahmen sowie mit immer stärkerer Symbolik aufgeladen wurden und inzwischen in bestimmten Kreisen gar zu einem Politikum geworden sind. Bekannt sein dürften auch die Klausen der christlichen Eremiten und muslimischen Sufis, die aus Weltabgewandtheit und Gottesnähe religiöses Prestige schöpften.

Gebirge spielen auch eine wichtige Rolle in Mythen, Legenden und Märchen, denen allen eine religiöse oder quasi-religiöse Dimension eigen ist: Dies gilt für eine Figur wie den launischen Berggeist Rübezahl, der als Belohner und Bestrafer der Menschen im Riesengebirge auftritt; dies gilt weiterhin für den epischen Helden Gilgamesch, der mit seinem Freunde Enkidu im Libanongebirge in den Wald heiliger Zedern eindringt, den Wächter Humbaba tötet und damit den Zorn der Göttin Ischtar erregt. Dies gilt für den Berg Qaf der iranisch-mythischen Tradition, jenseits dessen das unendliche Nichts beginnt, für den Musa Dagh, dessen armenischen Verteidigern im Rahmen des Völkermords an den Armeniern Franz Werfel in seinem Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Dies gilt schließlich auch für die Helden des nicht unproblematischen Kriegsfilms „Berge in Flammen“ von Louis Trenker aus dem Jahre 1931. Schließlich sei auch erinnert an die zahllosen Wundererzählungen, die ihren Sitz im Leben im Gebirge besitzen, wie etwa die von der Versuchung Jesu am sog. Berg der Versuchung in der Nähe der Stadt Jericho im Westjordanland.

Das 5. Montafoner Gipfeltreffen spricht mit seinem Generalthema „Religion in den Bergen“ damit ein Thema an, das nicht nur höchst unterschiedliche Aspekte aufweist, sondern das auch weit über Vorarlberg und den Alpenraum, ja Europa hinausweist und zugleich höchst aktuell ist. Wie in den vergangenen Jahren wird es wieder Gelehrte unterschiedlichster Disziplinen und Interessen und eine interessierte Montafoner Öffentlichkeit zusammenführen und auf hohem wissenschaftlichem Niveau, zugleich aber auch auf verständliche Art und Weise Gegenstände behandeln, die mit der Landschaft und den Menschen des Montafons und Vorarlbergs eng verbunden sind.

 

Die Tagung ist öffentlich zugänglich. Eintritt frei

Tagungsort: Pfarrsaal (Sternensaal) Schruns, Jakob-Stemer-Weg 10

Registrierung: Das Registrierungsbüro befindet sich am Veranstaltungsort. Ansonsten erhalten Sie im Montafoner Heimatmuseum weitere Auskünte.

Kontakt: Michael Kasper, Sandra Kraft

info@montafoner-museen.at

 

Organisation:

Michael Kasper, Montafoner Museen, Schruns
Robert Rollinger, Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik, Universität Innsbruck
Andreas Rudigier, vorarlberg museum, Bregenz
Josef Wiesehöfer, Universität Kiel

unter Mitarbeit  des Forschungszentrums Ancient Worlds Studies and Archaeologies, Universität Innsbruck

 

Anreise Bahn/Bus:

ÖBB - Österreichische Bundesbahnen
Auskunft über alle europäischen Zugverbindungen und Fahrplan, inklusive Umsteigemöglichkeiten sowie Preisinfos für innerösterreichische Bahnfahrten finden Sie unter www.oebb.at.

MBS - Montafonerbahn Bludenz - Schruns
Bahnhof Bludenz - Montafonerbahn von Bludenz nach Schruns (ca. 20 min.), Frequenz ca. alle 30 min. (zu den Hauptzeiten). Informationen zu den Fahrzeiten und Fahrplan, Verbindungen und Dienstleistungen erhalten Sie unter www.montafonerbahn.at

Anreise PKW:

Aus Deutschland (D)
Pfändertunnel - Rheintalautobahn A14 - Ambergtunnel - Abfahrt Bludenz/Montafon - L 188 Montafoner Straße (Silvrettastraße).

Aus der Schweiz (CH)
Über Chur - Autobahn von Zürich/Chur - Abfahrt Gams – Fürstentum Liechtenstein (FL) - Feldkirch/Tisis - durch Feldkirch in Richtung Bludenz/Innsbruck - Walgau- autobahn A14 - Abfahrt Bludenz / Montafon - L 188 Montafoner Straße (Silvrettastraße).
Über St. Gallen- Autobahn von Zürich/St. Gallen - Ausfahrt Oberriet-Meiningen - Autobahn A 14 in Richtung Bludenz ab Auffahrt Rankweil - Ambergtunnel A14 - Abfahrt Bludenz/Montafon - L 188 Montafoner Straße (Silvrettastraße).

Aus Österreich (A)
Über den Arlberg - S 16 Arlbergschnellstraße in Richtung Bludenz - Abfahrt Bludenz/Montafon - L 188 Montafoner Straße (Silvrettastraße).

 

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