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Zur Geschichte des "Sure Kees"

Bereits im 18. Jahrhundert dokumentierten Graubündner Priester die Montafoner Sennerei.

Im Juli 1780 unternahmen die reformierten Graubündner Priester Johann Baptista Catani und Luzius Pol eine Expedition durch die „Montafunerberge in die Gebirge Fermunt[1]. Sie stellten dabei beeindruckt „mit Verwunderung und Vergnügen [fest], wie ökonomisch die Untertanen des Tals Montafun, durch die liebe Not gedrungen, zu sein gelernt haben. Es befanden sich nämlich zu unseren Füßen, wie auch hin und her an vielen Orten, stotzige, glatte, für jede Art groß Vieh unzugängliche Grasplätze, oder Blaisen zwischen Felsen hinein; auf diese führten sie wo immer möglich Wasser, wässerten und mäheten das Gras sauber ab, so daß sozusagen kein Plätzlein auf ihren Alpen ungenutzt bleibt“, bemerkten sie, da sie im Garneratal die einheimische Bevölkerung beim aufwändigen Mähen der steilen und hochgelegenen Bergmähder beobachtet hatten.

Sehr detailliert dokumentierten sie zudem die Herstellung des Sauerkäses im Montafon: „Sie [die Montafoner] gebrauchen weder Magen noch irgend etwas von ähnlicher Wirkung zum Käsen, auch keinen Schotten-Eßig oder Sauer zum Ziegern, und doch bringen sie beides, besonders den Käß in ziemlicher Menge hervor. Sie sennen überal, zu Hause und in der Alp, das Sentum mag groß oder klein seyn, fast immer nur sauer, und sagen, daß sie sich dabei besser, als beim Süßsennen befinden. Der Grund mag wohl dieser sein: Sie können mit ihren Kühen nicht so viel Molken machen, daß sie etwas zum fremden Verkauf erübrigen könnten; und in jeder Alp sennet fast jeder Bauer, wenn er nur 2 oder 3 Kühe hat, für sich besonders, deswegen auf jedem Stafel oder Säß einige Hütten sind, und in jeder Hütte etliche Sennereien.“[2] 

Der Vorarlberger Kreishauptmann Johann Ebner engagierte sich in den 1830er-Jahren für die Modernisierung und Marktorientierung der Landwirtschaft. Resigniert stellte er in Bezug auf die Sennerei im Montafon fest:

Für die Käserei interessierte er sich ganz besonders und versuchte die Einführung in Gegenden, die weitab vom Verkehr lagen, um der Bevölkerung größere wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Auf seine Nachforschungen, warum im Montafon die Einführung der Käserei nicht gelang, stellte es sich heraus, daß die Montafoner Hausfrauen nicht auf die gute Milch und auf die frische Butter verzichten wollten und daß die Männer um des häuslichen Friedens willen nachgaben. So ist das Tal Montafon bezüglich des Sennereiwesens für die kommenden Jahrzehnte im Rückstand geblieben.



[1] (Catani, 1781) Damals war der Begriff „Silvretta“ noch nicht gebräuchlich. Stattdessen wurde die Gebirgsgruppe mit dem Namen „Vermunt“ bezeichnet.

[2] (Catani, Bemerkungen bei einer Gesellschaft Herrn Pfarrer Pol durch die Montafunerberge in die Gebirge Fermunt, im Julius 1780 angestellten Bergreis, 1781, S. 36-41)

 

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Autor: Michael Kasper