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Sternsinger in Bartholomäberg 1935

Zeitungsbericht im Vorarlberger Volksblatt vom 4.1.1935 über die Sternsinger in Bartholomäberg

Bartholomäberg, 2. Jänner [1935]. (Sternsingerbuben.)

In den sternklaren Abenden zwischen der Christnacht und dem Dreikönigsfest ziehen von Hof zu Hof die Sternsingerbuben und bringen die Weihnachtsbotschaft und viel Freude zu den Bergerleuten. In der bunten Tracht der morgendländischen Könige bitten sie um Einlaß und singen stehend ihre selbstgereimten und selbstvertonten Dreikönigslieder. Der eine trägt den drehbaren Stern, der andere das Weihrauchfaß und der dritte den umgehängten Säckel für Kohle und Weihrauch und für die Weihnachtsgaben und das Geld, das ihnen die Leute reichen. Und wenn sie weiterziehen, bleibt ein frohes Bild und weihnachtlicher Duft in der Stube zurück. So ziehen einige Dreiergruppen über den Berg von Jezmund bis zu den Höfen des Kristberges und hinunter ins Tal. (Nicht im ganzen Montafon ist dieser Brauch.) Das ist ein Stück uralter Volkspoesie, die auf dem "Berg" in manch alter Form noch lebt. Es ist ein Vorzug für das rührige Bergervolk, daß es alte Werte lebendiger und geistvoller überliefert, als das diesbezüglich schwerfällige und arme Industrievolk. - Es mutet hier nicht nur die Landschaft, sondern auch die Siedlungsweise und Bauart der Bergerhöfe, 7obiger Sternsingerbrauch, das lustige Almleben und eigentümlicherweise auch gar mancher mundartliche Ausdruck tirolisch an. Ein Grund dafür mag sein, daß die hiesigen Bergerhöfe teilweise ähnliche Lebensbedingungen haben wie etwa ein Bergdorf in Tirol. Und daß deshalb altes Brauchtum mehr geschont, bewahrt und ergänzt wird in Durchzugsdörfern. Ein auffallender Unterschied jedoch ist der, daß die Leute, etwa im Gegensatz zu den eingewanderten Walsern, den Fremden gegenüber vorsichtiger und in ihren Ausdrücken zurückhaltender sind als ihre östlichen Nachbarn.