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Sigmund Freud im Montafon

Der weltberühmte Begründer der Psychoanalyse besuchte einst auch das Montafon. Dies konnte zuletzt auf der Basis der digitalisierten Gästebücher des Hotels Madrisa in Gargellen eruiert werden. Ein Beitrag dazu erschien in den kleinen Texten zur Freud-Biographik.

Im Mai 1901 besuchte Sigmund Freud gemeinsam mit seinem Bruder Alexander Gargellen und nächtigte im Hotel Madrisa. Am 9. Juni 1901 schrieb Freud an seinen Berliner Freund Wilhelm Fließ:

"Unser Sommeraufenthalt ist noch immer nicht sichergestellt. Ich denke mir, er wird in die Nähe von Salzburg fallen, die Unterhandlungen mit einer Pension auf dem Salzberg bei Berchtesgaden ziehen sich durch die Schwerfälligkeit der guten Leute etwas in die Länge. Um Pfingsten war ich mit meinem Bruder auf der Suche in Vorarlberg. Die Nähe der Schweiz und die mäßigen Preise hatten uns verlockt. Es wurde aber nichts daraus. Die Reisekosten heben die Pensionsersparnis wieder auf, und die landschaftlichen Vorzüge rechtfertigen nicht den Aufwand. Es war übrigens mehr ein Vorwand für einen Pfingstausflug als eine ernste Absicht; einen Tag haben wir auf dem Bodensee verbracht."

In Gargellen, dem höchstgelegenen Ort des Montafons an der Grenze zur Schweiz, hatte im Jahr 1885 der Schrunser Franz Xaver Schwarzhans die alte Gastwirtschaft „Zum Rößle“ erworben und 1889 zum „Hotel zur Madrisa“ um- bzw. ausgebaut. In den folgenden Jahren versuchte er das heilklimatische Kurwesen zu forcieren, denn der Direktor der meteorologischen Zentralanstalt in Wien hatte in den Medien bereits über die Vorteile Gargellens als Höhenluftkurort berichtet und ab 1893 bewarb auch der neu gegründete Vorarlberger Landesverband für Fremdenverkehr das Dorf Gargellen als Höhenluftkurort. Außerdem bot man Wannenbäder und die Möglichkeit zur Jagd an.

In den Jahren um 1900 scheint Gargellen und insbesondere das Hotel Madrisa zahlreiche prominente Gäste angelockt zu haben. In der zweiten Augusthälfte 1900 unternahmen etwa der Schriftsteller Richard Beer-Hofmann, der Kritiker der Neuen Freien Presse Paul Goldmann, der Journalist Alfred Kerr und der Schriftsteller Arthur Schnitzler eine Reise durch die Alpen. Ihre Route führte sie über Bludenz nach Schruns und weiter nach Gargellen. Von dort aus zogen sie am nächsten Tag über das Schlappinerjoch in die Schweiz. Auch der Schweizer Schriftsteller Jakob Christoph Heer bereiste das Montafon in jenen Jahren. Vermutlich war er mit den Recherchen für das vom Verband für Fremdenverkehr in Vorarlberg und Liechtenstein in Auftrag gegebene Buch „Vorarlberg und Liechtenstein. Land und Leute“ beschäftigt, das dann 1906 erschien und mit Abbildungen von E. T. Compton, P. Balzer und F. Schrempf illustriert war, als er 1904 im Hotel Madrisa nächtigte. Möglicherweise war Gargellen Freud von einem anderen Reisenden aus Wien empfohlen worden, sodass er die weite Anreise hierher auf sich genommen hatte.

Mehr über die Umstände der Reise Freuds und deren Zweck sowie die Literaturnachweise finden sich im folgenden Online-Beitrag von Christfried Tögel & Michael Kasper: Freud in Vorarlberg (= Kleine Texte zur Freud-Biographik 2020-01). Der Beitrag wurde in gedruckter Form im Jahresbericht 2019 der Montafoner Museen S. 66-68 veröffentlicht.

Hotel Madrisa um 1910 (Montafon Archiv)

 

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