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Romanisches Vortragekreuz Bartholomäberg

Das Bartholomäberger Vortragekreuz aus der Zeit um 1225/50 zählt zu den bedeutendsten romanischen Kunstschätzen des Landes Vorarlberg.

Das romanische Vortragekreuz von Bartholomäberg ist das einzige künstlerische Objekt, welches sich im Montafon aus romanischer Zeit erhalten hat. Das Werk wurde vom Historiker Joseph Ritter von Bergmann im 19. Jahrhundert wiederentdeckt und bekannt gemacht. Nach jahrzehntelangen Verhandlungen und einem Diebstahlsversuch in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Kreuz schließlich in sichere Verwahrung gegeben. Seit einigen Jahren ist nun in der Kirche eine von Beatrice Pfeifer angefertigte Kopie zu sehen.Das spätromanische Kunstwerk stammt aus den Werkstätten des südwestfranzösischen Limoges, wo in einem „billigeren“ Verfahren kostbare Vortragekreuze (mit Holzkern und vergoldeten Kupferplatten) und dergleichen hergestellt wurden. Vor allem das Limousiner Email ist bekannt.

Der aus Vorarlberg stammende und in Wien lebende Historiker Joseph Ritter von Bergmann (1796-1872) stellte 1853 in seiner „Kritischen Geschichte des Landes Vorarlberg“ erstmals das Vortragekreuz vor. Bereits 1858 war das Vortragekreuz Gegenstand denkmalpflegebehördlicher Behandlung, auch wenn es damals nicht um die Restaurierung, sondern vielmehr um die Verhinderung eines Verkaufs ging. 1887 konnte man das Vortragekreuz im Rahmen der Vorarlberger Landesausstellung in Bregenz besichtigen:

Das uralte romanische Vortragkreuz mit seinen Emaillen und gefassten Glasflüssen ist ein so werthvolles Erzeugnis des Kunstfleisses vergangener Jahrhunderte, dass uns wohl die grössten Museen um dieses Stück beneiden würden. Gewiss Niemand würde weit hinten im Montafon, beinahe schon in den Alpenregionen von St. Bartholomäusberg ein solches Kleinod vermuthen.

Das Bartholomäberger Vortragekreuz kann nicht bedingungslos als Beweis dafür dienen, dass es in Bartholomäberg auch eine romanische Kirche gegeben hat. Es ist nicht bekannt, wann und wie es ins Montafon gebracht worden ist. Auch wenn aufgrund des veränderten Stilempfindens nicht davon auszugehen ist, dass das Kreuz in späterer Zeit nach Bartholomäberg gekommen ist, so können wir diese Option auch nicht ausschließen. Was in diesem Zusammenhang aber sehr deutlich wird, ist der Umstand, dass überregional interessante Werke aus der frühen Zeit der Kunst im Tal meist von Urhebern außerhalb der heutigen Montafoner Grenzen stammen. Dieser auswärtige Einfluss beziehungsweise die Kunstwerke als Importware ist jedenfalls ein besonderes Charakteristikum nicht nur der mittelalterlichen Kunst des Montafons.

Das Vortragekreuz dürfte einst bei Prozessionen mitgetragen worden sein; ebenso ist an eine Funktion als Standkruzifix am Altar zu denken.

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Mehr dazu in: Andreas Rudigier, Beatrice Zamora (Hg.): Das spätromanische Vortragekreuz von Bartholomäberg (Montafoner Schriftenreihe 5), Schruns 2002.

 

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