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Liebesbrief aus dem 19. Jahrhundert

Übersetzung eines Heiratsantrages aus dem Jahr 1869, den ein Nenzinger an eine Vandanserin richtete.

Im Jahr 1869 richtete ein Nenzinger den folgenden Heiratsantrag an die Vandanserin Katharina Maier:

Nenzing am 28t. November 1869

Euer Wohlgeborene

Jungfrau Katharina Meier!

Wie gerne hätte ich Ihnen auf Ihr
Liebwertestes Namensfest die Liebevollen
Gesinnungen und die zärtlichen Gefühle
meines, Sie so sehr liebenden Herzens
übersendet; aber ach! Die häufigen Arbeiten
mit welchen ich den ganzen Tag so sehr be-
lästigt war und zwar bis späth in die Nacht
so daß ich im Drange der Geschäfte sehr müde
geworden, und meine Körperkräfte jeden
weitern Dienst versagten, bis ich durch einen
gesunden kräftigen Schlaf meine verlornen Kräfte
wider gesammelt und gestärkt hatte; aber so
geht es nun alle Tage und erst heute fand ich
eine kleine Unterbrechung deren Zwischenzeit ich
schnell benützte Ihnen einige Zeilen widtmen
und Ihnen gute Theure Katharina! Nachgehend

 

Meine Glücks- und Segenswünsche darzubring-
en, welche darin bestehen, daß Sie auf Ihrer
ganzen Lebensbahn vergnügt, ohne Kumer,
ohne Sorgen, sehen mögen schönen
frohen Morgen.
Liebe Katharina! Ich bin am 20. diß
abends um 5 ¼ Uhr nach Hause gekomen,
nachdem ich in Bludenz noch einige Geschäfte
abgethan hatte. Mit vielen Vorgängen
erinnere ich mich noch stehts an die schönen
frohen, aber leider sehr wenigen
Stunden, welche ich in Ihrem vätterlichen
Hause, in Ihrer und Ihrer Geschwisterten
Liebwertesten Gesellschaf mit vieler
Fröhlichkeit genossen habe und ich finde
mich sehr verbindlich, Ihnen Liebe, gute, theure
Katharina! so wie auch allen Euern lieben
Geschwisterten recht herzlich zu danken,
für die liebevolle Behandlung die ich

 

Bei meinem Besuche bei Ihnen, im Kreise
Ihrer Liebwertesten Geschwisterten ge-
nossen und für die Aufmerksamkeit und
zärtliche Theilnahmen die Sie alle mir
geschenkt haben.
Nun, Liebwerteste gute Theure
Freundin Katharina!! Wie haben Sie
Ihnen seit meiner Anwesenheit
über den Antrag zu einer Eheschliess-
ung mit mir, bedacht oder besonnen?
Währen Sie geneigt mir am Gottge-
heilligten Traualtar Ihre Hand, Ihre
mir liebwerteste Hand zur ehlichen
Verbindung zu reichen? Um alsdan
mir an meiner Seite, durch dieses Leben
eine Liebevolle zärtliche Gattin und Lebens-
gefährtin zu werden?!
Diese sehr ernsten Fragen bitte ich Sie,
Liebe Katharina mir alsobald beantworten
zu wollen und können Sie vielleicht mit

 

Ihnen selbst, oder durch den Rath guter gewiss-
enhafter Menschen, nicht mit Ihnen selbst, hier-
über ins Reine komen, was Sie hierin thun
sollen, so gebe ich Ihnen folgenden Rath:
Indem Sie ja so oft zur heiligen Messe
gehen, so bitten Sie dort bei der heil. Wandlung
den Liebevollen Menschenfreund unsern
göttlichen Heiland und Erlöser, daß er Ihnen
in diesem ernsten Falle seinen Rath erthei-
len möge. Oder nehmen Sie Ihre Zuflucht zur
göttlichen Gnadenmutter, den sie ist ja die
Mutter deß guten Rathes u. die Hilfe der
Christen. Zu diesem Zwecke dürfte villeicht
eine kleine Wallfahrt nach Tschagguns sehr
ersprießlich sein - - - ? Dieses ist meine
Überzeugung von sehr vielen schwierigen
Fällen! Indem ich Sie Liebe gute Katharina!
nun mir recht baldige Antwort herzlich bitte,
grüeße ich Sie samt Ihnen Liebwertesten
theuren Geschwisterten recht herzlich!
Genehmigen Sie meinen Gruß, meine
Achtung und Wertschätzung! Schlißlich empfehle
ich Euch Alle den heiligsten Herzen Jesu u. Marias
und verbleibe Ihr ergebenster Freund Gabriel Krimen

Grueßen Sie mir den Leistschneider Ludescher u seine Frau.

 Das Dokument stammt aus Privatbesitz und wurde den Montafoner Museen zur Übersetzung überlassen. Es ist eines der wenigen historischen Privatdokumente, in dem offiziell ein Heiratsantrag gestellt wird. Zumeist erfolgte dies wohl mündlich. Liebesbriefe finden sich in den Archiven nur sehr selten...

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Autor: Michael Kasper