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Kriegszeit im Montafon

Glücklicherweise war das Montafon im Laufe der Geschichte so gut wie nie direkt von kriegerischen Ereignissen betroffen. Nur einmal – im Juli 1622 – kam es zu einem Angriff auf das Tal.

Graubündner Truppen stießen damals über mehrere Gebirgspässe vor uns besetzten fünf Tage lang mit schweren Folgen für die Bevölkerung den südlichen Teil der Talschaft.

Zwar hatten die Montafoner versucht sich auf der Schanze bei Rüti (Gargellental) und bei der Illbrücke in Galgenul zu verteidigen, doch wegen der Überzahl und der besseren Bewaffnung der Gegner mussten sie sich zurückziehen und St. Gallenkirch sowie Gaschurn räumen. Auch in der Außerfratte musste Tschagguns den feindlichen Truppen überlassen werden.

Sogleich requirierten die Bündner Vieh von den Alpen und plünderten in den Gemeinden Gaschurn, St. Gallenkirch und Tschagguns Ställe und Häuser, woraus sie Lebensmittel, Hausrat sowie Kleidung, ja angeblich sogar Nägel raubten. Aufgrund der aussichtslosen Lage sahen sich die Montafoner genötigt, die geforderte „Brandschatzung“ in Höhe von etwa 13.000 Gulden aufzutreiben. Der Gesamtschaden, den die Bündner in der Talschaft verursachten, belief sich nach Montafoner Angaben insgesamt auf 150.000 Gulden.

Dieser materielle Verlust und die darauf folgenden Jahre der Truppeneinquartierungen bedeuteten für das Montafon einen schweren Schlag, von dem sich das Tal bis weit ins 19. Jahrhundert kaum zu erholen vermochte.

Mehr dazu in Manfred Tschaikner: Montafon 3.

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Autor: Michael Kasper