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Der Kriegsausbruch 1914 im Montafon I

Auszüge aus Artikeln in Vorarlberger Medien der Jahre 1914-18 werden in einer Reihe vorgestellt, um Einblicke in die Zeit vor 100 Jahren zu geben.

Im Sommer 1914 brach für die meisten völlig unerwartet der große Krieg aus. Dem Schock über die Ermordung des Thronfolgerpaares folgte im Montafon die Sorge um die vielen in Frankreich befindlichen Saisonarbeiter. Nach und nach rückten immer mehr Männer an die Front ein und der Euphorie der ersten Tage und Wochen folgten bald unerwartet hohe Verlustmeldungen. Wiederum werden Auszüge aus zeitgenössischen Artikeln in Vorarlberger Medien der Jahre 1914-18 vorgestellt, um Einblicke in die Zeit vor 100 Jahren zu geben.

Schruns, 6.7. Heute ½9 Uhr früh wurde für das so tragisch aus dem Leben geschiedene Thronfolgerpaar ein Trauergottesdienst gehalten, an welchem die Vertreter des Bezirksgerichtes, des Steueramtes, des Postamtes, der Gendarmerie und Finanzwache, sowie der Gemeinde und der Schule teilnahmen. Außerdem erschienen mit Fahne der Veteranen- und Schützenverein und der Jugendbund „Montafon“ sowie die marianische Jungfrauenkongregation mit Abzeichen. Abends vorher war durch eine halbe Stunde Trauergeläute und morgens früh um 6 Uhr empfingen zahlreiche Schüler und Erwachsene die hl. Kommunion für die uns Österreichern unersetzlichen k.k. Hoheiten weiland Erzherzog Franz Ferdinand und Herzogin Sophie von Hohenberg.

Schruns, 12.8. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zum Schutze vor verdächtigen Subjekten aller Art wird auch hier die Bürgerwehr in Aktion treten. Die Herren Dr. Ritter und Dr. Hefel geben im Musiksaale einen Kurs zur Heranbildung von Aushilfskrankenwärterinnen. Von den zahlreichen Teilnehmerinnen haben sich bis heute fünf zur Verwendung auswärts in Tirol und Vorarlberg gemeldet. Beim Roten Kreuz sind über 100 Betten teils mit, teils ohne Verpflegung der verwundeten Soldaten. Die Jungfrauenkongregation errichtet im Vereinshause eine Arbeitsstube zur Beschaffung von Stoffen und Verarbeitung zu Krankenwäsche.

Schruns, 16.9. Aus brieflichen Mitteilungen ist zu entnehmen, daß unserer Gemeinde in Galizien, bezw. In Rußland verwundet wurden die Soldaten: Josef Sander, Otto Mathies, Jakob Wekerle und Jakob Salzgeber; letzterer ist seit einigen Tagen hier in häuslicher Pflege. Unangenehm berührt die Wahrnehmung, daß den Soldaten im Felde, wie es scheint, Nachrichten aus der Heimat, d. i. Briefe und Karten bisher nicht zugestellt wurden.

Silbertal, 6.10. Von manchen unserer im Felde stehenden Kriegern hatten wir seit langer Zeit kein Lebenszeichen mehr. Endlich kommen Kartengrüße, welche ihr wohlbefinden melden. […] In Frankreich sind mehrere Saisonarbeiter aus Silbertal. Von zweien erhielt man letzthin die Nachricht, daß sie im südlichen Frankreich noch ruhig arbeiten. – Der Krieg drückt auch hier schwer auf die Gemüter, doch zeigt sich überall heroisches Gottvertrauen und kräftiger Opferwille, überall der eine Wunsch: „Wenn man nur siegt!“

Bartholomäberg, 26.10. Heute früh erdröhnten auch auf dem Berg zum ersten Male seit Ausbruch des Krieges die bedeutsamen 3 Pöllerschüsse und kündeten ins Tal hinunter, daß auch einer unserer Soldaten sein junges Leben für das Vaterland zum Opfer gebracht habe. Es wurde nämlich heute der Bestattnisgottesdienst gehalten für Kaiserjäger Johann Josef Marent (4. R.), der am 17. Oktober im Spital zu Kalvarnya-Zebrzydovska in der Nähe von Krakau an der Ruhr gestorben ist und dort begraben wurde.

(Michael Kasper)

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