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Kirche St. Jodok in Schruns

Bei den aktuellen Bauarbeiten im Zentrum von Schruns ist auf dem Kirchplatz altes Mauerwerk zu Tage getreten, das wahrscheinlich noch vom Vorgängerbau der heutigen Kirche stammt. Dazu ein kurzer Beitrag zur Geschichte dieses Sakralbaues.

Vor 1868 befand sich das Kirchenschiff auf der anderen (südlichen) Seite des Turmes. Als diese Kirche zu klein geworden war, wurde der Turm erhalten und man baute das Schiff auf die andere Seite, wo ursprünglich der Friedhof gewesen war. Gut ersichtlich ist das im Franziszeischen Kataster, der so genannten „Urmappe“:

Möglicherweise handelt es sich bei dem alten Mauerwerk um eine Spannmauer für den Bogen des Chores. Weitere Grabungen und Untersuchungen werden zeigen, ob die Mauer tatsächlich an die Fundamente des Turmes anschließt, was die Hypothese unterstützen würde. Mitarbeiter von Context OG Archäologie und des Denkmalamts führen jedenfalls eine gründliche Bestandsaufnahme durch. Parallel dazu läuft die Suche nach Unterlagen zum Vorgängerbau der heutigen Kirche im Pfarrarchiv.

Das scheint ein gegebener Anlass, zurückzublicken. Im Montafon Archiv befinden sich einige Bilder und Zeichnungen des Vorgängerbaus und seiner Anlage:

Auf diesem Aquarell ist der Turm, das Kirchenschiff sowie der Chor mit Anbau mit Pultdach (vielleicht die Sakristei) erkennbar. Auch ein Torbogen zwischen Kirche und Standeshaus, in dem sich heute das Heimatmuseum und das Café Haller befinden, als Eingang in den Friedhof und natürlich die Friedhofsmauer selbst sind erkennbar. Auch die Anlage der neuen Friedhofsmauer und ein Stück Satteldach ganzen unten links im Bild sind erkennbar (vielleicht die neue Friedhofskapelle). Der neue Friedhof wurde 1844 angelegt (noch ohne Arkaden), was die Datierung des Bildes auf den Zeitraum zwischen 1844 und 1865 ermöglicht.

Der Entstehungszeitraum dieser Zeichnung ist leider nicht bekannt. In der Friedhofsmauer ist hier ein gebäudeartiger Durchgang eingefasst. Der Torbogen beim Eingang ist hier nicht sichtbar. Auch das Kirchenschiff „verschwindet“ auf dieser Zeichnung sozusagen hinter dem Chor mit dem Anbau mit Pultdach und dem Turm.

Dieses Bild schließlich ermöglicht einmal den Blick von der anderen Seite, von Montiola her. Die Lage des Kirchenschiffs wird hier gut deutlich, Chor und Friedhof(-smauern) bleiben perspektivisch bedingt versteckt.

Wenn auch diese Bilder eine ganz eigene Perspektive haben und die Proportionen mitunter verzerrt sind (und damit keine genauen Rückschlüsse über die Maße möglich sind), sind sie doch wichtige Quellen. Im Montafon Archiv befinden sich nämlich sonst leider keine Pläne oder Dokumente zum Vorgängerbau der heutigen Kirche, die 1868 fertig gestellt und 1874 geweiht wurde.

Die Pfarrchronik (von Dr. Ulmer und Dr. Schöch, für die Aufzeichnungen des Pfarrers Christian Juen aus dem Jahr 1817 verwendet wurden) gibt jedoch Aufschluss über einige Aspekte ihrer Geschichte: 1484 erwarb die Gemeinde den so genannten „Josen-Platz“. Nachdem 1433 erstmals eine Kapelle „St. Joggen“ in Schruns belegt ist, folgte im Jahr 1503 eine Kirchen- und Friedhofsweihe (als Filialkirche der Pfarrkirche Bartholomäberg). Die steigende Bedeutung des Ortes und die Zunahme der Bevölkerung sowie der weite Weg zur Kirche Bartholomäberg führten schließlich um 1579 zur beginnenden Ablösung von der Pfarre Bartholomäberg. 1637 war Schruns dann endgültig eine eigene Pfarre. Die 1503 geweihte Kirche wurde 1682 durch einen Brand zerstört. Diesen soll ein Soldat, ein gewisser Johann Stephan Schnegg, ausgelöst haben, indem er auf Spatzen auf dem geschindelten Kirchendach schoss, das dadurch Feuer fing. Der Brand breitete sich sehr schnell aus. Nahezu die gesamte Kirche fiel ihm zum Opfer, nahestehende Häuser nahmen teils großen Schaden, konnten aber vor der vollständigen Zerstörung bewahrt werden. Sogleich begann man den Neubau, der schon 1683 fertig gestellt wurde und angeblich vor 1817 wegen Platzmangel vergrößert wurde. Leider ist dazu nichts Genaues bekannt. 1865 wurde diese Kirche, die also bis auf bestimmte Vergrößerungen auf das Jahr 1683 zurückgeht, dann abgerissen (bis auf den Turm), ebenfalls aus Platzgründen. Der Turm mit Zwiebelkuppel trägt an der Außenseite unterhalb des Kuppelansatzes eine Inschrift, die belegt, dass er aus der Zeit sogar noch vor 1682 stammt:

„Von Hannes Josef & Peter Stewen, Zimmermeister, ist dieser Durm oder Gebew durch Geschworene & eine ehrsame Gemeinde allhier im Sommer anno 1674 verdingt worden auszuführen & dann der kunstreiche Jüngling Christian Schaffner, Maler, solches mit den Farben ausgestrichen.“

Möglicherweise ist der Turm bei der Beschaffung neuer Glocken 1804 um ein Stockwerk erhöht worden.

Die Grabungen und Analysen am zu Tage gekommenen Mauerwerk könnten jetzt weitere Erkenntnisse über den Vorgängerbau ermöglichen. Auf jeden Fall tragen sie als wichtiger Bestandteil der Ortsgeschichte dazu bei, deren Erforschung zu vertiefen und das Wissen um die Geschichte des Ortes Schruns zu erweitern. Ein ausführlicher Bericht wird jedenfalls im Jahrbuch der Montafoner Museen 2021 folgen.

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Autorin: Sophie Röder; veröffentlicht: 28.4.2021

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