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  • Fastentuch Hauptalter (c) Atelier Scheel/Prenner Fastentuch Hauptalter (c) Atelier Scheel/Prenner

Innerberger Fastentücher

Bei den Fastentüchern aus der Innerberger Kirche handelt es sich um ganz besonders seltene Exemplare. Diese stellen Kleinode der Montafoner Kulturgeschichte dar.

Im Spätmittelalter war es im gesamten Alpenraum üblich, in der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern Fasten- oder Hungertücher aus figürlich bemalter Leinwand aufzuhängen. Während ursprünglich der gesamte Altarraum hinter den Tüchern verschwand, wurden ab dem 17. Jahrhundert zumeist nur mehr die Altäre verhüllt. In der Regel wurde vor jedem Altar ein Fastentuch aufgehängt. In Vorarlberg ging die Geschichte der Fastentücher um 1800 zu Ende. Heute sind nahezu keine Fastentücher mehr erhalten oder gar in Verwendung.

Maria, Beweinung des Herrn (Foto: Atelier Scheel/Prenner)

Da die Tradition der passionszeitlichen Altarverhüllung in Vorarlberg kaum mehr besteht, verdienen die Fastentücher der Kuratiekirche Innerberg als Zeugnisse der spätbarocken Volksfrömmigkeit umso mehr Beachtung.

Es handelt sich um drei in Öl auf Leinwand gemalte Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu: Ölberg, Kreuzigung und Beweinung. Alle drei Tücher sind jeweils von einem gemalten, goldenen Rahmen eingefasst und passen genau in die Altaraufbauten, sodass die eigentlichen Altarbilder verhüllt werden. Am oberen und unteren Ende befinden sich mit Knäufen versehene Stangen, welche die Leinwand straffen. Aufgrund der Passgenauigkeit der Tücher kann davon ausgegangen werden, dass diese dezidiert für die Innerberger Altäre angefertigt wurden.

Das größte Passionstuch wird am Hochaltar verwendet und zeigt die Kreuzigung. Die Maße betragen ungefähr 1,7 Meter Höhe und 1,2 Meter Breite. Vor einem dunkelblauen Hintergrund sind die Hauptfiguren der Kreuzigung, Christus am Kreuz, zu seiner Rechten die Muttergottes und zu seiner Linken der Lieblingsjünger Johannes sowie am Fuß des Kreuzes Maria Magdalena dargestellt.

Das Fastentuch am linken Seitenaltar stellt die Ölbergszene dar und ist mit ca. 1,6 Meter Höhe bzw. 0,8 Meter Breite etwas kleiner. Links oben schwebt der Kelch des Leidens, vor dem Jesus betend in die Knie gesunken ist, während ihn ein Engel von hinten umfasst.

Das Fastentuch über dem rechten Altar besitzt idente Maße und zeigt die Beweinung, Maria im Schmerz mit dem toten Sohn. Auch auf diesem Bild zeigen sich starke farbliche Kontraste.

Im Gegensatz zum Normalprogramm der Kirche, das links den Marienaltar, in der Mitte den Hauptaltar mit der Darstellung der Immaculata und rechts den St. Aloisiusaltar umfasst, rücken die Fastentücher drei wesentliche Ausschnitte der Passionsgeschichte in den Fokus.

In künstlerischer Hinsicht kann den Tüchern zwar lediglich eine gewisse handwerkliche Qualität des bäuerlichen Barock zugebilligt werden, aber aus volkskundlicher Perspektive stellen sie aufgrund der bis in die Gegenwart reichende Verwendung dennoch eine Besonderheit dar. Der Umstand, dass diese bis ins 21. Jahrhundert in der Fastenzeit die Altäre verhüllen, ist weitum ein Alleinstellungsmerkmal und die Tücher sind dementsprechend einzigartig.

Die Fastentücher wurden zweifellos für den Ort, an dem sie bis heute zu finden sind, angefertigt: die Kuratiekirche Unsere Liebe Frau Mariä Unbefleckte Empfängnis in Innerberg (Gemeinde Bartholomäberg). Diese Filialkirche war 1792 neu errichtet worden und auch die Inneneinrichtung mit den Altären stammt aus dieser Zeit. Wahrscheinlich entstanden die Bilder daher kurz nach der Errichtung der Kirche im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts.

Die Fastentücher sind mittlerweile dringend restaurierungsbedürftig und sind derzeit in einer Restaurierungswerkstätte.

Wir unterstützen daher gerne die Pfarrkuratie Innerberg und bitten um Spenden für die Sanierung der Fastentücher auf das Konto:
AT28 3746 8000 0007 1761

Spendenfolder

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Autor: Michael Kasper, 21.3.2021

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