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Herbst 1919: Magere Zeiten

Laut einem Zeitungsbericht aus Gaschurn fand sich im Herbst 1919 Sand im Brot, das dort verkauft wurde.

Im Vorarlberger Volksblatt vom 1. November 1919 findet sich ein Bericht über mangelhaftes Mehl in Gaschurn:

"Beim Brotessen nehme ich unliebsamerweiser wahr, daß meine Zähne auffallend knirschen. Nicht Zorn war es, der mir dieses Geräusch entlockte. Nach näherer Untersuchung fand ich, daß sich Sand im Brot befindet. Da mir dieser Umstand rätselhaft erschien, prüfte ich auch das Mehl auf dessen Inhalt und das gleiche Ergebnis war die Folge. Es war Sand im Mehl. Als Pflanzenkenner ist mir doch bekannt, daß die Getreidekörner solches ‚Ersatzmehl‘ nicht führen; sonst würden die Aehren ihre Köpfchen, vor lauter Scham, bis auf den Boden neigen. Da sich dieses mit Sand vermischte Mehl in Originalsäcken befindet, so ist ein Verdacht auf die örtlichen Mehlverteilungsstellen nicht zu hegen. Auch daß sich die Mühlsteine in diesem Maße abreiben, ist nicht denkbar. […] Wo bleibt die die Tätigkeit der Lebensmittelprüfungsstelle?"

In den Jahren unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg kam es in Österreich immer wieder zu Getreideengpässen, da das Mehl zuvor in erster Linie aus den östlichen Gebieten der Monarchie importiert worden war, nun aber nicht in ausreichender Menge in der jungen Republik produziert werden konnte. So war wohl auch das in Gaschurn verwendete Mehl "gestreckt" worden.