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Grausamer Mord in Schruns 1817

In der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 1817 ermordete die Bauerntochter Anna Maria Fritz die (nicht mit ihr verwandte) 48-jährige Hausfrau Benedikta Fritz, die Ehefrau ihres Geliebten Johann Ulrich Rudigier, des Schrunser Gemeindevorstehers und Standeskassiers.

Im Montafon Archiv sowie in zahlreichen Montafoner Haushalten findet sich ein gedruckter Bericht über den Mord in Schruns im Jahr 1817 unter dem Titel "Geschichte und Urtheil". Neben diesem Text gibt es auch noch ein handgeschriebenes Gedicht, das hier wiedergegeben wird:

"Kurze Übersicht jener traurigen Mordgeschichte, welche am 28. May 1817 zu Schruns geschehen. Wo dann die Thäterinn am 29ten März 1819 zu Feldkirch durch den Strang hingerichtet und der mitschuldige Mörder auf die Schand=Birne ausgesetzt wurde.

1. So müsen doch viele tausend Menschen, heute zu Pferde und zu Fuß,
    nach Feldkirch hin, weil dort ein Mädchen an dem Strange sterben muß,
    sie war kaum zwei und zwanzig Jahre, und durfte sich doch wagen,
    schon den Meuchelmord an einer Frauen, die Ihr ja nichts Leides gethann.

2. Ist sie dan ganz allein die Schulde, einer solchen Greuelthat,
    nein selbst der Ehemann dieser Frauen, sie dahin verleitet hat,
    bereits der erste Mann vom Lande Joh. Ulrich Rudigier,
    steht auch in festem Eisenbande, als mitschuldiger Mörder hier.

3. Sie unterhielten schon vier Jahre Bekanntschaft die ganz unerlaubt,
    haben endlich den Satans Gedanken, sich einander anvertraut,
    durch Gift das Leben zu nehmen, und vor der Welt verborgen bleibe,
    und da dieses oft mislungen, wagten sie die Grausamkeit.

4. Du must nun selbst die Rolle spielen, macht Rudigier den neuen Plan,
    wirst meinen Rath getreu erfülle(n), sollst haben mich zu einem Mann,
    ja Liebster ja nach deinem Willen, nur sage mir in welcher Nacht,
    weil ich ein Vorstands Frau kann werden, wird sie freilich umgebracht.

5. Am 28ten May schon neun Uhr Abends gieng sie in dem Blutdurst aus,
    begab sich dann mit dem Mördermesser, ins Rudigieren Bienen Haus,
    und da es endlich an der Kirche die eilfte Stund geschlagen hat,
    hat sie der Mordlust überwunden, und wagte nun die Höllenthat.

6. Denk nur wie wird jetzt dieser Wolfe, auf das Lamm gewüthet sein,
    der Ehemann hat sich weit entfernt, aus Forcht wie Bruder Mörder Kain.
    Hört ihr dan nicht das Blut schon schreien, sogleich um Rach zum Himmelreich
    wie Datan Korn und tausend andere, könnt wohl die Erd verschlingen mich.

7. Secht jetzt die Mutter Todverwundet, kommt blutend zu der Tochter hin,
    ruft doch den Priester her zu eilen, ich bald ein Raub des Todes bin,
    sie sankt der Tochter in ihre Arme, und starb gleich diesen Augenblick,
    die Mörderin macht sich aus dem Hauße, ließ blutend das Gewehr zurück.

8. Rastlos und mit größtem Fleiße, arbeitet das Landgericht,
    das vor der Welt bekannt soll werden, ein so grausammer Bösewicht,
    und kaum zwei Monat sind verflossen, würd dieses Mädchen eingeführt,
    nach Feldkirch, dort in Eisenbanden hat sie ihr Schuld nun offeriert.

9. Eltern denkt an eure Kinder, secht die schreckvolle Trauergeschicht,
    zu jeder Stund schließt euer Haus, aber eure Augen nicht,
    komt oft ein Wolf daher gegangen, der mit dem Schafskleid angethan.
    Schmeichelwort Reichthum und Ehre, die Jugend leicht verführen kann.

10. Sich mein Vater denkt o Mutter, wenn Gott eüch Kinder anvertraut,
      biegt diese Bäumlein in der Jugend, und denkt ja es ist nicht erlaubt,
      den Feuerbrand zu dem Stroh zu leisten, es brinnt ja gleich den Augenblick,
      ihr müßt die Schäflein sorgsam waiden, Gott vordert sie von euch zurück.

11. Davit, Peterus und Manasses in große Sünd gefallen seyn,
      auch Kaiser König Päpst, und Priester, was darf man sich bilden ein,
      wann Sünden Falle ausgenommen, wo Reichthum Ehre und Verstand,
      dann musten wir auch nicht beweinen, den Rudigier in Eisenband.

12. Kinder finden wir voll Thränen des Herzens und von Angesicht.
      Ach betet fleißig euer Mutter, und vergesset den Vater nicht,
      den Feinden selbst thut auch verzeihen, die diese Greuelthat gethan,
      leider Gott, selbst euer Vater ist die größte Schuld daran.

13. Endlich sag ich jedem Menschen, ehe ich schreite zum Beschluß,
      das man nicht den Sünder fluchen, aber für ihn bethen muß,
      wer sind sie warn freilich eine große Sünderin,
      aber mit Gedult voll rein und Liebe, gieng sie in den Tod dahin.

14. Schandvoll und beweinungswürdig ist wohl diese Trauergeschicht,
      Vorarlberg durch tausend Jahre, zeigt uns ja desgleichen nicht,
      eine Frau schön klug und reich an Tugend, von ihren man nichts als Verdrus,
      und Leiden in der stärksten Jugend, ganz unschuldig sterben muß.

15. So laßt uns dem Verstorbnen Bethen, daß ihme Gott barmherzig sey,
      und dem zum Kärker Verurtheilten, schenke wahre Sünden Reu,
      uns Gnad das wir in Tugend wandlen, ein so kurze Lebenszeit,
      dann werden wir uns wieder sehen, in der frohen Ewigkeit."

 

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Autor: Michael Kasper