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Explosion in Schruns

Im Haus von Peter Peter in der Außerlitzstraße im Jahr 1895.

Dass der Handel mit Pulver nicht nur ein einträgliches Geschäft, sondern auch mit Gefahren verbunden war, beweist die tragische Geschichte der Familie Peter aus Schruns. Der Junior der Familie, mit gleichlautendem Vor- und Nachname, stieg mit dreizehn Jahren 1878 in das Geschäft von seinem Vater Theodor Peter ein, der eine kleine Krämerei in der Außerlitzstraße in Schruns betrieb. Durch viel Fleiß gelang es dem Junior, das Geschäft zu einer gut florierenden Gemischt- warenhandlung auszubauen und dank seines guten Leumunds Artikel in seinem Sortiment zu führen, die dem staatlichen Monopol unterlagen.

Er heiratete Josefine Dettling, eine gebürtige Schweizerin aus Weißenau bei St. Gallen. Als am 28. Februar 1895 eine Tochter namens Johanna geboren wurde, schien das Glück vollkommen. Doch nur wenige Wochen nach diesem Ereignis, am 26. Juni, ereignete sich ein fürchterliches Unglück. Seine Frau Josefine wollte angeblich noch in den späten Abendstunden etwas vom Dachboden holen. Offenbar stolperte sie mit brennendem Licht, was in weitere Folge zur Explosion des dort gelagerten Schießpulvers führte.   

Nähere Angaben zu diesem Unglück finden sich im Bregenzer Tagblatt vom 27. Juni 1895. Die Explosion fand um 22 Uhr 30 statt und war so heftig, dass sie weit im Umkreis zu hören war. In nächster Nähe erzitterte alles wie bei einem Erdbeben. Etliche Scheiben von umliegenden Häusern gingen zu Bruch. Die Explosion verursachte anschließend ein Großfeuer. Das Handelsgebäude von Peter sowie der angrenzende Gasthof Adler und die Bierbrauerei des Franz Anton Weckerle brannten bis auf die Grundmauern nieder.

Josefine Peter muss sich direkt im Bereich des explodierenden Pulvers befunden haben, da ihr beide Beine weggerissen wurden. Die total verstümmelte und verbrannte Leiche wurde am nächsten Tag aus den Trümmern des Hauses geborgen. Für den jungen Handelsmann Peter Peter ein schwerer Schicksalsschlag. In dieser Nacht hatte er nicht nur seine Frau verloren, sondern auch sein Haus samt der darin befindlichen Handlung. Aus den Flammen konnten lediglich das Baby Johanna, ein Portrait von seinem Vater, ein Paradesäbel von seinem Großvater und eine eisenbeschlagene Holzkiste gerettet werden.  

Laut Zeitungsbericht gab es noch eine weitere verletzte Person. Es handelte sich um die Frau des Bierbrauers Franz Anton Weckerle, der ebenfalls um sein Hab und Gut kam. Auch sie überlebte die zugezogenen Verletzungen nicht und verstarb einige Zeit später.

Dieses Unglück war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Der Frächter Neier lieferte am Abend des Unglückstages eine Ladung Sprengmittel vom Bahnhof Bludenz nach Schruns zur Handlung Peter. Normalerweise hätte diese Lieferung, bestehend aus einem Holzfass mit Pulver sowie einer Kiste mit sprengkräftigem Material, der Vorschrift entsprechend in einem Depot von Peter Peter außerhalb der Ortschaft eingelagert werden müssen. Es war aber zeitlich dafür zu spät und so gelangte das brisante Material in den Lagerraum der Handlung.  

Peter Peter erbaute ein neues doppelstöckiges Haus in der Außerlitzstraße und betrieb sein Handelsgeschäft weiter, aber vermutlich ohne den Pulverhandel. Er scheint jedenfalls in der Auflistung von 1914 über die Vorarlberger Pulververschleißer nicht mehr auf.

Quellen:
Bregenzer Tagblatt 27.6.1895
Dem Biergenuss auf der Spur – Mohrenbrauerei Dornbirn 2010
Hubert Borger – Eine Parthie in Schruns - in „Menschen schreiben Geschichte“

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Autor: Peter Tschernegg

15.10.2020

 

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