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Die spanische Grippe 1918/19 im Montafon - Teil A

Voraussetzungen und Beginn der Epidemie im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs 1918.

Die Spanische Grippe 1918/19 im Montafon

 

Voraussetzungen

Die Spanische Grippe, die wohl verheerendste Epidemie des 20. Jahrhunderts, verschonte vor rund 100 Jahren auch das Montafon nicht. Im Herbst und Frühwinter 1918/19 fielen ihr zahlreiche Menschen zum Opfer. Zuvor war die Krankheit bereits im August im Rheintal massiv aufgetreten, hatte jedoch oft einen recht harmlosen Verlauf genommen. Mitte August war der Krankheitserreger mutiert und hatte – nunmehr mit deutlich höherer Sterblichkeit – im September Europa erreicht. Vor dem Hintergrund der Unterernährung erheblicher Teile der Bevölkerung nach über vier Kriegsjahren kann davon ausgegangen werden, dass besonders viele Menschen der Krankheit mangels Widerstandskraft zum Opfer fielen. Auch andere epidemische Krankheiten traten schon in den Monaten zuvor immer wieder auf: Im Februar starben etwa in Schruns drei Schulkinder an Diphterie und zeitgleich „tritt unter den Schulkindern die Masernkrankheit heftig auf“[1].

 

Beginn

Doch noch am 4. Oktober 1918 wähnte man sich in Gaschurn in Sicherheit und berichtete lediglich von vergangenen Zeiten, als die Grippe auch in Gaschurn Todesopfer gefordert hatte:

„Wenn wir auch, Gott sei Dank, in dieser Kriegszeit von der Grippe verschont geblieben sind, so ist diese Krankheit nach unserem Sterbebuch hier doch nicht unbekannt; denn im Jahre 1848, also auch zur Kriegszeit, starben an derselben Krankheit der 77jährige Johann Josef Rudigier von Parthenen und ein zwei Jahre altes Kind, mit Namen Rudolf Wachter von Gaschurn.“[2]

Nur einen Monat später sah die Situation jedoch bereits deutlich dramatischer aus. Aus Schruns wurde am 5. November berichtet:

„Grippe. Dieser unheimliche Gast hat sich auch hier niedergelassen. Fast in jedem Hause sind kranke Leute. Die Schule ist geschlossen, da die beiden Herren Lehrer Wiederin und Heinzle von der Krankheit befallen sind. Auch Herr Frühmesser Eßl liegt krank darnieder. Witwe Anna Maria Mugg von Gamprätz, eine brave, christliche Hausmutter, starb nach kurzer Krankheit.“[3]


Sterbebild von Anna Maria Mugg

Dementsprechend wurde in der Schulchronik vermerkt, dass „40 – 50 % der Kinder […] erkrankt [sind] und weil auch die beiden Lehrer an Grippe darnieder liegen […] mußte die Schule auf die Dauer von 14 Tagen geschlossen werden.“[4]



[1] Rüdisser 2016, S. 293.

[2] VV, 6.10.1918, S. 4.

[3] VV, 10.11.1918, S. 5.

[4] Rüdisser 2016, S. 293.

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Autor: Michael Kasper

13.11.2020

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