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Das "Klosaholz"

Traditionell wurden von den Kindern im Montafon Gebetszählhölzer in der Vorweihnachtszeit verwendet.

Der aus Schruns stammende Volkskundler Richard Beitl dokumentierte den Brauch des Klausenholzes 1954 folgendermaßen:

"Die wesentlichen Merkmale des älteren Brauches in unserem Tale waren folgende: Der ,Klaus' und seine Gesellen, der ,Klausenknecht“ oder das ,Klausenbweible“, blieben am Nikolaustag wie zu Weihnachten unsichtbar:
Am Vorabend des 6. Dezembers warfen sie höchstens Äpfel und Nüsse ein, legten sie wohl auch aufs Fensterbrett (,Einlegen') und fragten bei den Eltern nach, ob die Kinder brav folgen und fleißig beten. Am Heiligen Abend war der Klaus der Kinderbescherer, nicht das Christkind, und er brachte seine bescheidenen Überraschungen heimlich vor oder während der Christmette. Die Gaben waren schlichter, aber die innere Vorbereitung der Kinder dıırch Beten und kleine Opfer wohl ernsthafter als heute.
Das ,Klosabäta' ist den Älteren in starker Erinnerung, und ich selber bewahre noch eine kleine Bibliothek von ,Klosabüachli', in die Glauben, Vaterunser, Gegrüßtseistdu, Gebete zum Schutzengel und zur hl. Barbara zu Dutzenden, ja zu Hunderten vermerkt sind, durchaus der Wahrheit gemäß, denn mein Respekt vor dem Klaus war groß. Ein Anhang verzeichnet die guten Taten im Dienste der Mutter, nämlich Wassertragen und Holzholen. Die Zeit vor 1880 etwa kannte die kurzen Gebetlein noch nicht. Da gab es noch das volle Gewicht der ,Psältner' und Rosenkränze.
Wäre es nicht möglich, den schönen Brauch der ,Klausenhölzer' wieder herzustellen, die man den Maßhölzern und Tesseln der Alpwirtschaft vergleichen kann?

Zu Berg und Tal hobelte man - jeder Bauer hat ja einfaches Schreinerwerkzeug - aus Hartholz, meist indes aus tänninem Abfallholz 30-40 cm lange, mit einem Zierknöpflein versehene Stäbe, in deren vier oder sechs Kanten die Gebete nach ihrer Art gesondert eingekerbt wurden. Zuweilen gab es auch noch Kerbungen auf der Breitseite in Form einer römischen Fünf oder Zehn. Am 5. Dezember - nach
germanischem Brauch zählt man bei uns noch heute die Nacht vor dem Kalendertag
als eigentlichen Festanlaß - pflegte der Klaus diese Hölzer mitzunehmen oder doch zu prüfen. Über einer scharfen Tischkante rieb er die verlogenen oder schlecht gebeteten Kerben stückweise aus, oder der Klausenesel selbst war es, der sie ausbiß oder mit seinem Hufeisen ausschlug. Dies geschah den Mädchen. Die Hölzer der Buben ereilte oft völlige Vernichtung durch die Sage. Frau Adele Walser in Schruns berichtet, daß man meist zwei Hölzer hatte: auf einem hatte man ,verausgebetet', und das wurde dem Klaus vorgewiesen. Ein zweites hatte man ,in Arbeit' und das hing tagsüber mit sechs, sieben anderen Hölzern der Geschwister an seidenen Bändchen im Tischwinkel. Das Beten, das mit dem Advent in größtem Eifer begonnen wurde, geschah im Tischwinkel vor dem Hausaltälrchen, wo es ein solches gab.
Auf diesem Altärchen wurden am Vorabend vom Nikolaustag die Klausenhölzer gelegt. Am Heiligen Abend um 10 Uhr oder später mußte es sich weisen, ob fleíßig
und gut gebetet worden war. Und ebensoviel oder mehr als Beten galt das ,Folgen`.
Sichtbar wurde die Gestalt des heiligen Gabenbringers nicht. Man hörte nur etwa
,Plömpa' und o weh! - das geräuschvolle Zersägen der Klausenhölzer.
Die Bedingungen werden gelinder. Von Rosenkränzen oder gar ganzen Psaltern ist heute selten mehr die Rede. Klausenhölzer sind vergessen, und selbst die Klausenbüchlein sind außer Gebrauch gekommen.“

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Quelle: Richard Beitl, Mittwinterbrauch im Montafon; in: Kultur und Volk. Festschrift für Gustav Gugitz, Wien 1954. S. 54-56.