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Corona-Gebet im Montafon

Bereits im 16. Jahrhundert war im Montafon das sogenannte Corona-Gebet verbreitet, das zu Glück und Reichtum verhelfen sollte.

Die hl. Corona galt - gemeinsam mit dem hl. Christoph und der hl. Gertrud - als eine "Erzschatzmeisterin" über verborgene Schätze. Ihre Anrufung mit Hilfe eines bestimmten Corona-Gebets sollte daher die Erlangung von Reichtum oder ganz allgemein Glück bringen. Kein Wunder, dass das Gebet v.a. unter der ärmeren Bevölkerung verbreitet war. Dass es aber nicht allen Glück brachte, verdeutlicht die folgende Geschichte der Maria Manallin:

Im Juni 1597, kurze Zeit nach einem schweren Hagelwetter, wurde in Bludenz mit der Verhaftung der Kathrina Burkhartin aus Silbertal und der Maria Manallin aus Gamprätz (Schruns), zwei Frauen aus ärmsten Verhältnissen, einer der größten Hexenprozesse im Vorarlberger Oberland begonnen. Maria Manallin, genannt Schelberin, die Ehefrau Mang Pitschis, war in der Bevölkerung schon länger als Hexe verschrien. Sie lebte mit ihrem Mann und einer großen Kinderschar unter einfachsten Bedingungen. Einmal wollte sie sich aufgrund ihrer traurigen Lage sogar das Leben nehmen. Unter der Folter gab sie zahlreiche weitere Frauen als Hexen an. Schließlich wurde sie mit vier weiteren Frauen am 5. Juli 1597 vom Gericht zum Tode verurteilt und daraufhin durch Verbrennung hingerichtet.

Im Zuge des Verfahrens gab Maria Manallin am 19. Juni 1597 folgende Aussage zu Protokoll:

"Si hab ain Maydtle, daß hab daß Kron Peth [!] gelernth. Seither hab er [der Teufel] ir nit so grossen Übertrang angethan." - Seit ihre Tochter das Corona-Gebet erlernt habe, sei die Manallin also nicht mehr so stark vom Teufel bedrängt worden.

Auch weitere Aussagen bestätigen die weite Verbreitung des Corona-Gebets um 1600. Die hl. Corona stellte damals eine beliebte Volksheilige dar.

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Mehr dazu: Manfred Tschaikner, Geschichte des Montafons vom ausgehenden 16. bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts, in: Ders. (Hg.), Montafon 3.

 

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