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Barockes Bauernhaus auf der Alme in Gortipohl

Ein beeindruckendes historisches Objekt aus dem 17. Jahrhundert.

Als Europa im Zeichen des 30-jährigen Kriegs stand und im Montafon die Pest wütete, wurde von den Gründern des heute denkmalgeschützten Gebäudes in Gortipohl im Bereich Alme mit dem Bau eines Wohnhauses begonnen. Dendrochronologische Untersuchungen von Klaus Pfeifer ergaben, dass das Haus in seinem ersten Bau zwischen 1636 und 1639 entstanden ist. Dies stimmt auch mit der noch immer sichtbaren Inschrift im Giebel „Bartle Casper 1639 Lucas Casper“ überein, die überdies die dazugehörigen Hauszeichen enthält. Vermutlich haben diese beiden Brüder das Doppelhaus, das später die Hausnummern 19 und 20 erhielt, gemeinsam nach den Krisenjahren errichtet. Darauf verweist ein unmittelbar taleinwärts befindlicher Bildstock, der dem Pestheiligen St. Rochus gewidmet worden war, da die Pest nicht weiter ins innere Gortipohl hinein vorgedrungen war.

Beim Anwesen handelt es sich um einen traditionellen Paarhof mit Waschhaus und dem genannten Bildstock. Die äußere Wahrnehmung des Montafonerhauses wird durch den gemauerten Teil bestimmt, der barocke Sgrafitto-Dekorationsmalereien (mit dem sog. „Laufenden Hund“) und ein einstmals weit verbreitetes Mariahilf-Bild zeigt. Auf der talinneren Seite findet sich in diesem Gebäudeteil ein traufseitiges Rundbogenportal mit einem Hausspruch sowie einer Datierung aus dem Jahr 1710. Der Spruch lautet:

„Oh du Junch frauw zart daß haus sei durch dich bewart / behuet unß vor beßt krieg und not erlöß unß vor dem ebigen tod / AMEN“.

Die Blockwand des Holzgebäudes hat eine Horizontalgliederung durch Stockwerkbalken mit Würfelfries. Bemerkenswert sind auch die profilierten Firstbalken und das Schindeldach.

Insbesondere die Bedeutung der historischen Fassaden reicht weit über die Region hinaus und deren Erhaltung ist daher von großem Interesse. Durch die umfassende Sanierung des Gebäudes in den vergangenen Jahren lebt nunmehr ein Montafoner Baudenkmal ersten Ranges wieder auf. Auf dem inzwischen eingerichteten Montafonerhaus-Weg stellt das historische Haus wohl ein Highlight dar. Leider drohen aber zugleich zahlreiche andere historische Gebäude an diesem Weg abgerissen zu werden und damit für immer verloren zu gehen.

 

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Autor: Michael Kasper

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