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  • Auszug aus dem Aufschreibbuch (Montafon Archiv) Auszug aus dem Aufschreibbuch (Montafon Archiv)

Aus einem Montafoner „Rechnungsbuch“

Vor allem aus dem 18. Und 19. Jahrhundert sind in vielen Montafoner Häusern Rechnungs- oder Aufschreibbücher überliefert. Die Besitzer notierten darin vor allem geschäftliche Angaben.

So finden sich Informationen über Schulden, bezahlte Zinsen oder geleistete Arbeiten. Daneben gibt es aber immer auch spannende Bemerkungen zu aktuellen Ereignissen sowie erinnernswerte Texte. Ein ursprünglich aus dem Silbertal und später in Lorüns geführtes Aufschreibbuch aus der Zeit von 1842 bis 1850 dokumentiert etwa bewährte Hausmittel oder besondere Witterungsverhältnisse.

So wird erläutert, wie man Maulwürfe bzw. Wühlmäuse bekämpft, Bäume von Raupen befreit und die Würmer aus dem Käse bringt. Außerdem wird die besonders warme Witterung im Jahr 1811 dokumentiert, die eine Traubenernte in Bludenz ermöglichte. Auch erlitt der Autor noch im November des Jahres im Gesicht unzählige Mückenstiche.

Das Dokument ermöglicht damit spannende Einblicke in den bäuerlichen Jahresverlauf der Arbeiten sowie die für einen Haushalt damals wichtigen Rezepte und Mittel.

Im Folgenden sollen einige Passagen des Buches im Original wiedergegeben werden:

 

„Ge Lobt sey Jesuß Christus amen.
Dises Reitig Buech gehört mir Christianuß Mathieß in Silber Dal und hab es khaufft anno 1742.

[…]

Wider die Maulwürffe oder Scheren.
Man soll einen Zwifel oder Zibele braten, und auf einen Scher-Hauffen den er erst auf geworffen, legen und ein wenig dabey warten, so kommt der Scheer bald herfür, daß man ihn leicht erschlagen kann.
Wider die Raupen oder Frasel. Breune Schwefel unter dem Baum, und beräuchere sie damit so fallen sie abe.
Das Hüner viel Ayer legen. Gieb ihnen Hanf-Körner zu fressen. Oder man kann ihnen Neßlen, oder den Saamen hacken selbe unter Kleyen und etwas Mehl vermischen.
Ayer lang zu bewahren. Man legt sie nur in das Salz.
Das keine Würm im Käß wachsen. Man nimmt Johannes Kraut, legts zwischen die Käße, so wachsen keine Würm darin, und da Würm darin wären, so gehen sie heraus.
Fleisch lang gut zu behalten. Nimm Coriander Saamen mit Essig zerknirscht, und reibe das Fleisch darmit, so bleibt es den ganzen Sommer vor Fäule und Maden sicher.

[…]

Wie erhaben und wunderbar die Werke Gottes seyen, zeiget aber mal das 1811te Jahr; Nicht nur der gemeine Pöbel, sondern selbst die Mathematici wollten den spätesten Frühling haben: Und doch den 5ten Junj hat man zu Lorüns angefangen heuen, und den 19ten Junj schon fast alles feißt Heu eingehabt, den 29 Junj sind bei Bludenz schon Grundbiren rollen gewesen. Den 8ten Julj zu Lorüns Gersten getröscht. Und den 16ten Julj gehampfet. Den 23. Aug. anfangen Grumet machen, den 4ten Sept. fertig worden. Den 9ten Sept. hab ich selbst zu Lorüns mer als das halbe Land schon zeitigen Türgen eingetragen. Den 15ten Herbst sind bei Bludenz Weintrauben vollkommen zeitig gewesen. Den 9ten Wintermonat hab ich selbst im Bludenzerfeld das 2te mal viel gekörnete Gersten Ähren gesehen. Auch auf der Grumetweid viel dürzeitige Kleeköpf angetroffen. Auch eben an diesem 9ten November auf den Abend haben mich im Bludenzerfeld die Muggen dermassen im Angesicht gestochen, das es mir mitten im Sommer bei grösster Wärme niemal häftiger widerfahren ist. Weil ein so guter Herbst gewesen, das es niemal starck gereifet oder gefröret hat.“

 

Autor: Michael Kasper

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