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Widumstall in Gargellen restauriert

Im Zuge von bauhistorischen Erkundungen im Gargellental für die Kulturgüterdatenbank Montafon

Widumstall in Gargellen restauriert

Im Zuge von bauhistorischen Erkundungen im Gargellental für die Kulturgüterdatenbank Montafon wurde im Jahr 2005 unter anderem auch der sogenannte Widumstall nahe der Kuratiekirche zur hl. Magdalena dendrochronologisch untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass der Gründungsbau als Stallscheune mit giebelständigem, talseitig erschlossenem Stallteil und bergseitig begehbarer einräumiger Heulege errichtet worden und in das Jahr 1487 zu datieren ist. Der Scheunenteil ist dann im Jahr 1545, vermutlich nach einem Lawinenschaden im vorausgegangenen Winter, unter Verwendung von noch brauchbarem Balkenmaterial des Gründungsbaues wieder aufgebaut worden. Im Jahr 1757 ist schließlich der aktuelle Bauzustand durch den Zubau eines Kleinviehstalles mit darüber liegender Heukammer an der nördlichen Traufseite hergestellt worden, was durch die Inschrift „ 17 II TS 57“ über der barocken klammerartigen Fasung des Stalltürsturzes dokumentiert ist.
Nach Auflassung der landwirtschaftlichen Verwendung des Widumstalles durch die Pächter des umliegenden kirchlichen Gutsbesitzes drohte auch diesem ortsgeschichtlich bedeutenden baulichen Kulturgut von Gargellen der Verfall. Der Kapuzinerpater Basilius Köchle, der letzte ortsansässige Seelsorger von Gargellen (1948 bis zu seinem Tod am 10.6.1983) hat dies jedoch durch die Aufbringung einer Wellblechabdeckung auf das desolate Holzschindeldach verhindert. In den letzten drei Jahrzehnten wurde der Widumstall vorwiegend für Lagerzwecke genutzt.
Über Anregung des Gargellener Heimatkundlers und Ausschussmitgliedes des Montafoner Heimatschutzvereines Friedrich Juen wurde nun Ende August 2011 dieses historische Stallgebäude im Einvernehmen und mit Unterstützung von Herrn Pfarrer Cons. Eberhard Amann als Eigentümervertreter restauriert und mit Fichtenschindeln neu eingedeckt. Dieses baukulturelle Renovierungsprojekt wurde vom Heimatschutzverein organisiert, aus dem Montafoner Kulturlandschaftsfonds subventioniert und vom Stand Montafon/Forstfonds, der Gemeinde St. Gallenkirch und der Familie Rhomberg/Hotel Madrisa maßgeblich unterstützt.
Somit kann in Gargellen zum wiederholten Mal ein Gebäude, das bald nach der ersten Zuwanderung von Walser Siedlern aus dem Prättigau (um das Jahr 1400) errichtet wurde und bis heute mehr als ein halbes Jahrtausend „überlebt“ hat, zumindest einige weitere Jahrzehnte als anschauliches bauliches Zeugnis der örtlichen Siedlungsgeschichte erhalten bleiben. Immerhin hatte der Widumstall bei der Einweihung der Gargellener Kirche (1644) schon rund 150 Jahre Bestand! (Leo Walser)