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Schrunser Ortsgeschichte

Verschwindende Zeugnisse der Schrunser Ortsgeschichte

Verschwindende Zeugnisse der Schrunser Ortsgeschichte

Der linke Schrunser Mühlbach zweigte im Bereich der hintersten Parkplätze an der Silbertalerstraße von der Litz ab und trieb neben dem Haus Blaas, an der Stelle des Ateliers Wolf, Silbertalerstraße Nr. 6, das Wasserrad einer Holzsäge an. Diese Säge war in meiner Jugendzeit noch in Betrieb. Nach der Säge leitete der Mühlbach das Wasser unter der Silbertalerstraße und dem Maklottstall (heute Geschäftshaus Fussenegger) durch zu einer offenen Wasserfallenanlage mit Überlaufausleitung zur Litz im Vorgarten / Parkplatz Fussenegger.

Anschließend unterquerte der Mühlbach den Batloggplatz und leitete das Wasser in einem offenen Kanalgerinne durch die Gärten Sprenger und Zudrell/Ortner zu einem Wasserrad im Untergeschoß des Alten E-Werk Gebäudes (Einbahn-Pub) und weiter zwischen den Gebäuden der Schreinerei Bauer (mit Wasserrädern) durch zur Lände. Hier stand noch in meiner Jugend eine Säge mit Wasserrad hinter dem Haus „Restaurant Stuevetta“, früher Metzgerei Thöny, in Betrieb. Nach Antrieb eines weiteren Wasserrades in der Wagnerei Rohner/Isele, Batloggstr. 14, – vereinigte sich der Mühlbach hinter den Wohnanlagen Vonbank, Batloggstraße 20 und 22, mit dem Kohlbach. Dessen früherer Einlauf an der Litz ist litzaufwärts des Hauses Heller noch sichtbar. Durch diesen Kohlbach wurde das über die Litz aus dem Silbertal geflözte Holz auf die Lände zum Kohlplatz gedriftet und hier zu Holzkohle gebrannt.

Der vereinigte Mühlbach trieb in der Kunstschreinerei Arnold Neier an der Stelle des heutigen Kinderspielplatzes ein weiteres Wasserrad an, unterhalb dessen eine weitere Falle mit Überlauf zur Litz eingebaut war. Anschließend waren die Sandabsetzbecken und Sandgewinnungsanlagen der Zementerei Salzgeber, Batloggstraße 28, in der der Rohstoff für die im ganzen Tal weit verbreiteten Zementdachziegel gewonnen wurde, noch in meiner Jugend in Betrieb. Diese Anlage liegt im Untergrund der phantasielosen Parkanlage an der Litz. Von dieser Entsandungsanlage wurde das Wasser zurück in die Litz ausgeleitet. Gegenüber der Ausleitung ist immer noch der Einlauf des unteren rechten Mühlbachs vorhanden, der das Wasser zu den Wasserkraftnutzungen „Auf der Litz“ in der Nudelerzeugung im Haus Düngler, in der Schreinerei Kessler/Schönher und in der Getreidemühle im Haus Geschwister Bitschnau leitete.

Der gesamte linksufrige Mühlbach wurde innerhalb der letzten 15 Jahre zugeschüttet, abgetragen und aus dem kommunalen Gedächtnis gelöscht.

Vom linken Mühlbach zweigte im „Katzenwinkel“ hinter dem Haus Blaas ein Seitenkanal ab. Dieser brachte das Wasser im Untergrund des schmalen Durchganges zwischen den Häusern Blaas–Jenny einerseits und den Schopfgebäuden und dem Haus Schwarzhans/Feuerstein (mit dem Geschäft Kieber im Untergeschoß) in den Innenhof des alten Postgebäudes Hueber, heute Grossmann. Von hier führte dieser Seitenkanal zum Wasserrad einer Flachsstampfe im Haus Vallaster, heute Restaurant „Bel Paese“ und entlang dem Rand des Alpinaparkplatzes zum Wasserrad einer Farbmühle. An diese Farbmühle erinnern die in meiner Jugend noch gebräuchliche Ortsbezeichnung „of dr Farb“ und die noch vorhandene Stützmauer des Gässles. Vom Wasserrad der Farbmühle wurde das Wasser vorbei am Haus Walser in die Schrunser Wiesen zur Bewässerung ausgeleitet. Nach der Aufgabe der Wasserkraftnutzung an diesem Seitenkanal diente er als Abwasserentsorgungsanlage einer privaten Kanalgemeinschaft. Diese wurde erst 1978 mit dem Ausbau der Ortskanalisation behördlich aufgehoben.

Im Zuge des geplanten Geschäfts- und Wohnhauses auf dem Alpina-Areal wird nicht nur das das Ortsbild prägende Alpina-Café–Gebäude, sondern es werden auch der Mauerrest der Farbmühle und das Wirtschaftsgebäude des Alpina verschwinden.

In diesem Wirtschaftsgebäude war im Keller und dem östlichen Erdgeschoßteil das Eisblocklager für die Versorgung der Schrunser Gastronomie mit Kühlmitteln für Getränke und Speisen untergebracht. Im westlichen Erdgeschoßteil residierte bis in die 1960-er Jahre das Zoll- und Steueramt. Im Obergeschoß wohnte die Krankenschwester und vieljährige Hebamme Kathi Ammann, die im ersten Weltkrieg als Sanitätsschwester hoch dekoriert wurde. (Heiner Bertle)