Sie sind hier: Startseite / Kultur & Wissenschaft / Neuigkeiten Kultur & Wissenschaft / Neuzugang im Montafon Archiv

Neuzugang im Montafon Archiv

"Freidenker-Brevier" von Johann Baptist Biedermann

„Freidenker-Brevier“ von Johann Baptist Biedermann
Neuzugang im Montafon Archiv

Im Oktober 2011 konnte das Montafon Archiv einen für die Literatur- und Geistesgeschichte des Montafons äußerst wertvollen Neuzugang verzeichnen: Der Bregenzer Historiker Dr. Meinrad Pichler überließ dankenswerterweise dem im Heimatmuseum angesiedelten Archiv ein vom Montafoner Mundartdichter und Taubenwirt Johann Baptist Biedermann originalsigniertes Buch „Freidenker-Brevier“ aus der Zeit der Jahrhundertwende um 1900. Der Schrunser Wirt, Händler und „Bauernadvokat“ Dr. iur. Biedermann lebte 1844 bis 1923 und schenkte dieses Buch im Jahr 1910 seinem Neffen Johann Moosbrugger.

Die Person Biedermanns verweist auf den Zusammenhang zwischen Heimatliteratur und Tourismus, denn parallel zur touristischen Erschließung des Montafons trat er als Wirt mit seiner Mundartdichtung in Erscheinung. Seine Gedichte und „Gsätzli“ aus der Gedichtsammlung „Nüt för Uguat“ sind dementsprechend auch eher als gesellige Stücke anzusehen, welche die kulturelle Identität des Montafons der Umwelt vermitteln sollten. Der Tourismus öffnete wiederum der lokalen Literatur die Welt und Biedermanns Gedichte wurden schließlich im gesamten deutschen Sprachraum bekannt. Der Literaturhistoriker Dirk Strohmann vermerkte diesbezüglich: „Persönlich wurde er freilich letztlich selbst ein Opfer des durch den Tourismus ausgeweiteten literarischen Interesses: Eine Gedenktafel an seinem eigenen Gasthaus, der ‚Taube‘, erinnert heute nicht an ihn, sondern an – Ernest Hemingway.“

Wie das später von den Nationalsozialisten verbotene Buch „Freidenker-Brevier“ verdeutlicht, war Biedermann in politischer Hinsicht dem liberalen Lager in Schruns zuzuordnen und so nahm er etwa auch 1876 mit vielen Gesinnungsgenossen am ersten Zivilbegräbnis Vorarlbergs in Schruns teil. Dazu passend thematisierte er in seinen Gedichten das „Hengara“ und schrieb häufig von der „Liabi“. (mk)