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  • Ernst Eisenmayer und sein Cousin im Jahr 1938 nach der Flucht in die Schweiz im Rätikon (c) Montafoner Museen Ernst Eisenmayer und sein Cousin im Jahr 1938 nach der Flucht in die Schweiz im Rätikon (c) Montafoner Museen

Erinnerungsorte

Gedenkprojekt zum Thema Verfolgung und Widerstand in der NS-Zeit

Erinnerungsorte in den Montafoner Gemeinden

75 Jahre nach dem Ende des NS-Regimes und des Zweiten Weltkriegs werden in den Montafoner Gemeinden Erinnerungszeichen, welche in erster Linie den Themen Widerstand und Verfolgung gegen das NS-Regime 1938-45 gewidmet sind, errichtet. Bei diesen Zeichen wird auf die jeweilige lokale Geschichte sowie NS-Opfer und Widerstand leistende Personen aus den Orten Bezug genommen werden.

Der große persönliche Einsatz all jener, die damals verfolgten Menschen zur Flucht verholfen haben bzw. aktiv gegen den Nationalsozialismus Widerstand geleistet und somit einen Beitrag zur Befreiung von diesem Terrorregime geleistet haben, wird entsprechend gewürdigt. Darüber hinaus sollen jene (Todes-)Opfer, die Verfolgung durch das NS-Regime erlitten – also etwa jene Menschen, die im Rahmen der sogenannten „Vernichtung unwerten Lebens“ ermordet wurden oder jene, die durch die NS-Unrechts-Justiz zu KZ oder zum Tode verurteilt wurden – endlich eine entsprechende Würdigung erfahren, indem ihre Namen nicht mehr anonym bleiben, sondern ebenso wie etwa die gefallenen Soldaten, als Opfer genannt werden.

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St. Gallenkirch: Fluchtregion Montafon

Ab 1933 trieb der nationalsozialistische Terror unzählige Verfolgte in die Flucht. Auch das an die Schweiz grenzende Montafon wurde dadurch zum Schauplatz dramatischer Fluchtgeschichten.

Etliche Fluchtversuche scheiterten bereits an den gefährlichen und strapaziösen Fluchtwegen über die Montafoner Berge. Zahlreiche Flüchtende wurden von der nationalsozialistischen Grenzwache aufgegriffen. Einzelne Schlepper nahmen den Flüchtenden ihre gesamten Wertsachen ab und ließen sie vor der Grenze im Stich. Und immer wieder wurden Flüchtende von Schleppern bei der Grenzpolizei denunziert, um die ausgeschriebene Belohnung zu kassierten.

Allerdings gab es auch Fluchthelfer, die sich einer tiefen humanitären Gesinnung verpflichtet fühlten. Das Risiko jedoch war beklemmend: Eine Verhaftung der Fluchthelfer hatte die Deportation in ein Konzentrationslager zur Folge, manchmal sogar die sofortige Erschießung.

Meinrad Juen aus St. Gallenkirch ist eines der zahlreichen Montafoner Beispiele für beeindruckende Zivilcourage. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen in einer kinderreichen Familie auf. Wohl auch deshalb begann Meinrad Juen bereits im Alter von 15 Jahren, Waren über die Schweizer Grenze zu schmuggeln. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland war es dann nur ein kleiner Schritt vom erfahrenen Schmuggler zum Fluchthelfer.

Meinrad Juen hatte Kontakte zu Widerstandsgruppen im Montafon, knüpfte darüber hinaus ein internationales Kontaktnetzwerk. 1942 wurde Meinrad Juen wegen „Judenschmuggels in die Schweiz“ verhaftet. Er entkam und tauchte bis zum rettenden Kriegsende unter. Ein Bericht der örtlichen Gendarmerie erwähnt insgesamt 42 Juden, denen Juen die erfolgreiche Flucht ermöglicht haben soll.

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